…verzerrte Schönheit

Du und ich, saßen vor ein paar Jahren in einer Bar. Ich kann es dir nicht erklären, aber an diesem Abend wurde mir irgendwie klar, dass du einen ganz besonderen Platz in meinem Leben einnehmen wirst. Ouhje, kaum denke ich daran, was ich mit dir verbinde, schon kullern mir die Tränen aus den Augen… An diesem Abend habe ich mich zum ersten Mal getraut zu äußern, was es für mich heißt mein Sexualleben auszuleben… Ich war damals noch mit meinem Ex zusammen und die, die meinen Blog etwas länger verfolgen, wissen, dass mein Ex und ich nicht mal eben Sex haben konnten und dafür sehr viel Geld ausgeben mussten, um sich wenigsten hin und wieder sexuell näher kommen zu können. Ich habe dir erzählt, wie sehr mich das zerfressen hat und dass es da eventuell eine Lösung für gäbe, aber dafür hätte ich die Unterstützung meiner Assistenz in Anspruch nehmen müssen. Ich habe mich irgendwie dafür geschämt meine Assistentin darum zu bitten mich nackt in den Lifter zu hängen und mich dann mit meinem damaligen Freund allein zu lassen, um mich von ihm oral befriedigen zu lassen.Von außen betrachtet, kann man sich vielleicht denken, dass ich da meinen Assistenten schon nichts Schlimmes abverlangen wollte, weil sie mich so oder so nackt im Lifter sehen, beispielsweise bei der Pflege. Aber das war für mich eine vollkommen andere Situation, die auch mir bisher nicht bekannt war… Ich wollte mein Sexualleben allein für mich haben und niemand anderen, außer meinen Sexualpartner daran teilhaben lassen.

Ich weiß noch, wie du mir an diesem Abend deutlich machen wolltest, dass das nichts ist, wofür ich mich schämen sollte: „Katja, jeder von uns befriedigt sich selbst, hat Sex… Das ist absolut nichts Unnatürliches, wonach du dich sehnst. Um dein Sexualleben ausleben zu können, bedeutet das für dich, dass du mit anderen in gewisser Weise darüber reden musst. Aber das sind doch alles Dinge, die wir auch tun und wenn eine Assistentin ein Problem dabei hat, dich in dieser Hinsicht zu unterstützen, dann ist sie die falsche Assistentin für dich. Aber das ist noch lange kein Grund dafür, auf dein Sexualleben zu verzichten, nur weil du glaubst, dass deine Assistenz ein Problem damit haben könnte. Ich kann mir vorstellen, dass dir das nicht leicht fällt, aber das ist der einzige Weg.“, so in etwa war deine Message an mich. Deine Worte haben mich noch lange beschäftigt und ich habe tatsächlich deinen Rat umgesetzt. Viele meiner Assistentinnen haben auf folgende Weise reagiert: „Gut, dass du das jetzt ansprichst. Ich habe auch schon überlegt, wie ich dich darauf ansprechen könnte, ob ich dich diesbezüglich irgendwie unterstützen oder dir assistieren könnte.“ Du hast damit einen riesen Stein in meinem Leben ins Rollen gebracht. Seitdem ist dieses Thema auch ein wichtiges Thema bei Bewerbungsgesprächen mit neuen Assistentinnen.

Jedoch glaube ich, dass dir schon sehr früh in unserer Freundschaft aufgefallen ist, dass mein Schamgefühl und die Unsicherheit bezüglich meines Sexuallebens einen ganz bestimmten Grund hat. Allein meine Beziehung zu meiner Scheide, wie ich sie heute unter anderem liebevoll nenne – du kennst mich – war nicht wirklich gesund. Ich hatte ihr gegenüber eine Art Abwehrhaltung… Ich fand sie hässlich, obwohl ich meine Vagina zu dem Zeitpunkt noch nicht wirklich gesehen habe. Aber wie könnte ich sie auch lieben, wenn ich sie weder zuvor gesehen, noch angefasst habe? Zudem hatte ich ab einem gewissen Alter das „Problem“, dass ich nicht mehr die knappsten Höschen tragen konnte, weil nicht alles verdeckt war. Und da ich mir meine Unterwäsche nicht selber anziehen kann, bekam ich in meinem Leben hin und wieder Kommentare diesbezüglich. Daraus schlussfolgerte ich irgendwann, dass meine Scheide riesengroß sein muss und so hässlich ist, dass sie nicht der Norm entspricht und deshalb nicht in knappe Höschen passt. (Ich muss gerade über die Vorstellung lachen.) Irgendwann hast du angefangen meine Haltung bezüglich meiner Vagina zu hinterfragen, indem du genauer nachgefragt hast, warum ich eher negativ über sie spreche. Als ich dir die soeben genannten Gründe offenbarte, hast du mir angeboten Fotos von meiner Scheide zu machen. Du hast versucht mir klarzumachen, dass ich keine riesengroße Scheide habe, aber mit den Fotos sollte ich mich selbst davon überzeugen. Es war mir natürlich irgendwie unangenehm Bilder von meinem Intimbereich machen zu lassen, weil ich es eben nicht im Geheimen selber machen kann. Aber die Neugier war doch größer als mein Schamgefühl. Du glaubst gar nicht, wie weit mich sowas in meiner Selbstakzeptanz gebracht hat. Du hast den Weg geebnet eine andere Beziehung zu meiner Vagina aufzubauen. Weißt du noch, als ich mich darüber beklagt habe, dass Sex für mich nicht immer ganz schmerzfrei war? Eines Tages hattest du Dienst bei mir und ich habe dich kurz vorm Schlafengehen gebeten mir eine Milchsäurebakterienkapsel in mich einzuführen. Als die Kapsel längst in mir verschwunden war, fragte ich dich, warum du mit deinem Finger immer noch in mir rumwühlst 😀 „Ich wollte checken, ob du wirklich so eng bist, wie du immer angibst.“, sagtest du und verdrehtest lächelnd deine Augen. Nachdem ich mich nach meinem Lachflash beruhigen konnte, meintest du: „In deiner Mumu sieht es folgendermaßen aus… darum würde ich sagen, es würde helfen, wenn dein Sexpartner darauf achtet, dass er beim Sex…“ Schatz, du glaubst gar nicht, wie viele Gedanken du mir dadurch genommen hast, die mich eine lange Zeit fertig gemacht haben, weil ich glaubte, dass an mir etwas nicht stimmt. Um nicht die „Spaßbremse“ beim Sex zu sein, gab es einige Tage, an denen ich schmerzhaften Sex über mich ergehen ließ. Dabei war die Lösung gegen die Schmerzen eigentlich ganz einfach und ohne deine „Wühlaktion“ in meiner Vagina hätte ich niemals davon erfahren. Vor gar nicht so langer Zeit saß ich völlig bedröppelt in meinem Wohnzimmer und erzählte dir, dass die Assistentin vom Vortag anscheinend ein zweites Loch in meiner Scheide gefunden hat. Stellt euch vor, man würde euch das sagen, Mädels? Was würdet ihr tun? Ihr würdet doch sicher direkt nachsehen. Ich war einfach nur fassungslos. Mein Liebling, du musstest über diese Information so sehr lachen und sagtest: „Aber das glaubst du doch wohl jetzt nicht, oder? Ich bin mir sicher, sie war einfach nur zu dämlich dir eine Kapsel oder ein Tampon einzuführen, oder was auch immer du da wolltest.“ Natürlich war die Vorstellung zwei Löcher unten zu haben für mich vollkommen absurd, vor allem weil ich in meinem Leben auch Frauenarztbesuche hinter mich gebracht habe, irgendeinem von denen wäre das sicher aufgefallen. Aber irgendwie beschäftigte es mich natürlich trotzdem. Einige Tage später wollte ich wieder eine Milchsäurebakterienkapsel einführen lassen (ja, ich tue es regelmäßig, weil es der Scheidenflora sehr gut tut. Kann ich nur empfehlen, Mädels!) und ein erneutes Mal brauchtest du dabei etwas länger als sonst. „So, du hast definitiv keine zwei Löcher. Wie ich schon vermutet habe, hat die gute Assistentin anscheinend selbst keine Ahnung, wie eine Scheide aufgebaut ist und hatte vielleicht deshalb Schwierigkeiten dabei?“, obwohl schon ein wenig Zeit vergangen ist und ich auch nicht mehr darüber gesprochen habe, hattest du anscheinend die Vermutung, dass es mich immer noch beschäftigen könnte. Ich schätze deine Empathie und deine einfühlsame Art sehr. Ich möchte an dieser Stelle auch nochmal klarstellen, dass zwischen meiner besten Freundin (zeitgleich auch meine Assistentin) absolut nichts Sexuelles passiert ist. Sie ist einfach der offenste und empathischste Mensch, den ich kenne, der auch noch viele Dinge sehr nüchtern betrachtet und absolut keine Berührungsängste hat. Ich liebe dich unheimlich dafür!

Du hast den Kern meiner Selbstzweifel und meiner Unsicherheiten erkannt. Irgendwann fingst du an mich nach der Dusche in meinem Lifter vor dem Spiegel zu parken… Mit dem Kommentar: „Schau nur Schatz, wie wunderschön du doch bist…ähm, ich muss übrigens kurz ins Wohnzimmer, ich hab dort was vergessen.“ In solchen Situationen war mir klar, dass du nichts in dem anderen Zimmer vergessen hast, sondern dass es dir darum ging, dass ich mich in Ruhe nackt vor dem Spiegel betrachte. Jedes Mal hast du mich aus einer anderen Perspektive vor den Spiegel gestellt. Ich hatte Tränchen in den Augen, in solchen Momenten, die du mir geschenkt hast…. Wenn ich nackt vor dir liege oder sitze, hast du ganz plötzlich Ideen, wie man mich auf einem Bild in Szene setzen kann. Ihr müsst euch das so vorstellen: Ich lasse mich ins Bett legen und plötzlich hat meine Sarah einen Einfall: „Das sieht mega sexy aus, wie du gerade liegst. Lass mich ein paar Bilder machen, ich bearbeite sie und schicke sie dir.“ Ich habe nun eine kleine Sammlung an Nacktfotos von mir, die mich daran erinnern sollen, wie schön ich in Wirklichkeit bin:)

Wie ich dir schon oft erzählt habe, wurde das sexuelle Wesen in mir irgendwo belächelt und abgetan, wohl gar nicht aus Böswilligkeit, wahrscheinlich aus Schutz. Meine Familie wollte nicht, dass ich auf irgendeiner Weise in dieser Hinsicht verletzt oder ausgenutzt werde. Auch wenn das alles nicht böse gemeint war, hat es meiner Entwicklung zu einer FRAU stark geschadet. Du Sarah, bist wahrscheinlich in mein Leben getreten, um das Blatt zu wenden. Ich habe in meinem Leben unzählige Komplimente von Männern erhalten, doch keiner dieser Männer hat mich so unwiderstehlich fühlen lassen, wie du es getan hast. Nicht weil du mich wunderschön findest, sondern weil du mich meine eigene Schönheit erkennen lassen hast…vor allem hast du mich erkennen lassen, dass ich eine Frau mit sexuellen Bedürfnissen bin, für die sie sich nicht schämen braucht… Kein Date, kein Sex dieser Welt hätte mir das geben können…du hast mir das verzerrte Bild meiner Schönheit genommen. Du hast mich in gewisser Weise die Körpererfahrungen nachholen lassen, die mir gefehlt haben, um ein gesundes Selbstbewusstsein entwickeln zu können. Selbstverständlich lässt sich das nicht so schnell nachholen, aber du hast mich auf den richtigen Weg gebracht. Du hast mein Selbstbild verändert.

Ich danke dir dafür…

…dass du dir mein Gejammer angehört hast, wie dick, unförmig und was ich sonst noch alles war…

…dass es dich anscheinend so sehr irgendwo beschäftigt hat, dass du Wege gefunden hast mich erkennen zu lassen, dass ich eine verzerrte Wahrnehmung von mir hatte…

…dass ich mich von dir verstanden fühle, egal worum es geht…

…dass du mich verstehen lassen hast, dass meine Behinderung kein riesengroßer Makel ist, sondern einfach nur ein Teil von mir…

…dass ich ein Teil deines Lebens sein darf und du ein Teil meines Lebens bist…

…dass du mir immer wieder vor Augen führst, dass unsere Freundschaft grenzenlos ist…

…dass du zu meiner Familie geworden bist…

Ich muss gerade daran denken, wie wir uns vor ein paar Wochen gestritten haben und während unserer Funkstille von 2-3 Tagen uns gefühlt haben, als wäre ein geliebter Mensch verstorben. Du bedeutest mir unheimlich viel. In den einsamsten Stunden fängst du mich auf. An meinem ersten Geburtstag als frischgebackener Single hast du extra mit mir reingefeiert, damit ich mich um Mitternacht nicht einsam fühle. An Heiligabend hast du mich in den vierten Stock getragen, weil du weißt, dass ich nicht den familiären Background habe, um ein besinnliches Fest verbringen zu können. Silvester hast du mit mir in Berlin verbracht, weil ich mich so sehr in diese Stadt verliebt habe. Wenn ich ein kleines bisschen Liebeskummer habe, kommst du mit deinem kleinen Sohn vorbei (mein „Therapie Baby“) und zauberst mir dadurch ein Lächeln ins Gesicht. Weißt du, was ich an dir so sehr liebe? Du vervollständigst mich nicht, denn das haben wir beide nicht nötig, einen Menschen an unserer Seite zu haben, der uns auf irgendeine Weise ergänzt oder vervollständigt. Denn wir sind verdammte Powerfrauen  😀 😀 Bei dir kann ich einfach ich sein. Ich kann die arrogante Bitch sein…ich kann sogar die zerbrechliche Katja sein, die phasenweise eine Scheißangst vor dem Verlauf ihrer Behinderung hat. Du nimmst mich dann in den Arm, gibst mir einen Kuss und alles ist vergessen. Das muss einfach die wahre Liebe sein. Ich möchte dich niemals missen.

Wer bin ich heute, dank dir?

Natürlich habe ich noch Tage, an denen ich mich furchtbar fühle, aber ich mache mich nicht mehr unnötig fertig, bin selbstsicherer und selbstbewusster geworden. Im Sommer chille ich sogar nur in einem Bikinioberteil und einem Minirock im Park, das hätte es damals nicht gegeben. Ich zeige mich nun absolut gerne. Ob ich diese Entwicklung ohne dich gemacht hätte? Ich denke schon, aber auf keinen Fall so schnell. Danke, dass ich mich nicht erst mit 50 Jahren auf dem Weg befinde meinen Körper zu lieben 😀 Ich liebe dich. Du bist meine beste Freundin. Es gibt noch so viele weitere Gründe, weshalb meine Liebe zu dir so unfassbar groß ist… Ich habe mich lange davor gedrückt diesen Artikel zu schreiben, weil ich das Gefühl habe, dass ich gar nicht die richtigen Worte für dich finden kann.

Deine in ewig liebende Dominata-Pussy-Power

Katja <3

PS: was möchte ich mit diesem Beitrag bewirken möchte? Es geht mir nicht darum, dass ihr denkt: wow, was hat sie nur für eine tolle Freundin?! Ich habe großes Glück und fühle mich unheimlich gesegnet deshalb, dass meine beste Freundin mir dies alles ermöglicht hat. Es ist nichts, was man in einer Freundschaft voraussetzen sollte. Was ich euch vielmehr sagen möchte ist, dass es unheimlich wichtig ist, sich mit dem eigenen Körper auseinanderzusetzen. Es ist meiner Meinung nach auch eine ganz andere Lebensqualität, wenn man sich selbst besser kennt. Ich möchte es allen Frauen ans Herz legen. Aber ich denke gerade den Ladys mit einer Behinderung fällt das aus verschiedenen Gründen so schwer. Wenn die Körpererfahrung an der mangelnden Bewegungsfreiheit scheitert, dann sollte man sich Gedanken über eine Sexualassistenz machen, die einem das ermöglichen kann <3

7 Gedanken zu „…verzerrte Schönheit“

  1. Liebe Katja,
    nach diesem Beitrag und dem zum Thema Selbstbefriedigung muss ich ganz ehrlich sagen, dass ich nicht verstehe, wo du für dich deine Grenzen ziehst. Einerseits erzählst du uns hier ganz unverblümt wie deine Assisstentin in dir rumpuhlt andererseits gehst du im anderen Artikel nichtmal darauf ein, wie du es schaffst dich selbst zu befriedigen. Da frag ich mich, wo du den Sinn in deinem Blog siehst. Ich denke, wenn du im anderen Beitrag so detailliert gewesen wärst wie hier, könnten andere Behinderte vielleicht davon inspiriert werden. Warum du hier nun so im Detail darauf eingehst verstehe ich nicht. Ich sehe auch ganz ehrlich den roten Faden nicht. Einerseits soll es um Selbstakzeptanz gehen, andererseits ist es irgendwie eine Ode an deine beste Freundin/Assisstentin. Schwerpunkt sehe ich allerdings eher hier: Seht her ich bin so super offen und schreibe über meine Vagina.
    Auch den Umgang mit deinen anderen Assisstentinnen finde ich sehr schade. Immer wieder taucht beim Lesen dieser seltsame Unterton auf, wenn es um deine Assisstentinnen geht. Gerade wenn ich deine Vorgeschichte lese, denke ich mir, dass du doch genau aus diesem Grund super dankbar für dein selbstbestimmtes Leben mit Assisstentinnen sein solltest. Lese dann aber hier wie solche Dinge wie das mit dem „zweiten Loch“ vorgeführt werden. Wie soll sie sich fühlen, wenn sie das liest. Gerade im Assisstenzbereich ist nicht jede Kraft eine gelernte Kraft. Als heterosexuelle Frau kennt man dann vielleicht seine eigene Vagina aber noch lange nicht die von anderen. Das finde ich in diesem Beitrag auch sehr schade.
    Ich möchte, dass du das nur als konstruktive Kritik siehst. Ich lese deinen Blog gern. Das ist mir allerdings in letzter Zeit aufgefallen.
    Liebe Grüße,
    Daniela

    1. Hallo liebe Daniela,
      erstmal möchte ich mich bei dir bedanken, weil du anscheinend meinen Blog schon etwas länger verfolgst.
      Ich möchte mich gerne zu deiner Kritik äußern.
      Beim Bloggen ist es mir unheimlich wichtig meine persönlichen Grenzen zu wahren… Das, was zwischen meiner Sarah und mir passiert ist, war keine Assistenzleistung, sondern ein Gefallen einer besten Freundin. Ich hätte es niemals von ihr erwartet oder verlangt. Sie hat das „Problem“erkannt und dementsprechend gehandelt, weil sie in erster Linie ein Mensch ist, der absolut keine Berührungsängste hat und ziemlich offen ist. Das ganze hatte absolut keinen sexuellen Touch, darum fiel es mir auch so leicht darüber im Detail zu schreiben. Wenn ich jedoch der Welt erkläre, wie ich mich selbstbefriedige, ist mir das einfach zu persönlich, weil das nun mal auch etwas mit meinem Sexualleben zu tun hat und das geht niemanden etwas an. Ich finde, dafür muss man einfach Verständnis haben. Nur ich allein entscheide, was mir zu persönlich ist und was eben nicht.
      Bezüglich des roten Fadens in meinem Artikel: du hast es sehr richtig verstanden. Es geht um meine Selbstakzeptanz, gleichzeitig ist es aber auch eine Liebeserklärung an meine beste Freundin, denn sie hat das Ganze ins Rollen gebracht und dafür gesorgt, dass ich mich intensiver mit meinem Körper befasse.
      Ich muss gestehen, dass das gar nicht meine Absicht war meinen Lesern zu zeigen, wie offen ich über meine Vagina schreiben kann. Aber nachdem du das in deinem Kommentar erwähnt hast, hat es mich sogar gefreut, dass meine Artikel auch aus der Perspektive betrachtet wird. Ich finde, dass das weibliche Geschlecht in unserer Gesellschaft ein viel zu großes Tabuthema ist, was ich sehr bedaure. Danke dafür:)

      Zu meiner Assistentin, die ich beschrieben habe, möchte ich sagen, dass ich auf keinen Fall irgendwen bloßstellen wollte. Ich habe lediglich darüber geschrieben, wie mich dieser Kommentar verunsichert hat. Das hat mir eigentlich gezeigt, wie wichtig es ist, dass ich mich mit meinem Körper beschäftige und ihn kennenlerne, damit mich sowas nicht mehr verunsichert. Mehr steckte nicht hinter dieser Information. Ich habe ehrlich gesagt nicht verstanden, welchen seltsamen Unterton du meinst. Ich schätze jede einzelne meiner Assistentinnen und mir ist ein wertschätzender Umgang miteinander sehr wichtig. Die Zusammenarbeit mit der erwähnten Assistentin wurde lange vor der Veröffentlichung des Artikels beendet und hatte damit nichts zu tun. Zudem wurde sie auch nicht namentlich erwähnt.
      In wieweit ich dankbar für die Assistenz sein muss oder auch nicht, ist ein anderes Thema und und würde an dieser Stelle auch zu nichts führen. Natürlich bin ich sehr froh und glücklich darüber, dass ich in keinem Behindertenwohnheim leben muss, sondern ein selbstbestimmtes Leben mit Assistenz führen kann, aber ich bin der Meinung, dass ich niemanden zu großer Dankbarkeit verpflichtet bin. Ein Mensch ohne Behinderung bedankt sich ja auch bei niemanden dafür, dass er selbstbestimmt leben darf.
      Auch wenn du ein wenig von meinem Blog enttäuscht zu sein scheinst, würde ich mich freuen, wenn du dennoch irgendwann noch mal hier vorbeischaust.
      Ich wünsche dir alles Liebe.
      Katja

    2. Hallo Daniela,

      du schreibst:
      „Gerade wenn ich deine Vorgeschichte lese, denke ich mir, dass du doch genau aus diesem Grund super dankbar für dein selbstbestimmtes Leben mit Assistentinnen sein solltest.“

      Dazu möchte ich – ergänzend zu Katjas Antwort – noch schreiben, dass das kein Maßstab ist. Das ist nie ein Maßstab, etwas mit dem Argument gegeneinander aufzuwiegen, dass es jemanden schlechter gehen könnte. An diesem Punkt werden wir wohl immer etwas finden.

      Wenn eine Gesellschaft Gleichberechtigung für jemanden schaffen kann, dann sollte sie es auch tun.

      Sonst könnte ich auch sagen, Menschen mit Behinderungen sollen glücklich sein, überhaupt leben zu dürfen, schließlich gab es eine Zeit in Deutschland, in der sie als minderwertiges Leben abgestempelt und vergast wurden.

      Ein Sozialstaat sollte sich noch viel mehr darum kümmern, dass Menschen wie Katja ein gleichwertiges Leben wie Menschen ohne Behinderung führen können, z.B. sollte eine Sexual-Assistenz finanziert werden. – Nicht zu verwechseln mit Prostitution, Menschen die sich dafür bezahlen lassen, Menschen mit Behinderung zu berühren, mit ihnen zu kuscheln oder sie gar in irgendeiner Art sexuell zu befriedigen. Diese Menschen missbrauchen leider den Begriff der Sexual-Assistenz, die, wie der Name schon sagt, nur assistiert. Ein wichtiges Thema, wie ich finde, diese Begrifflichkeiten zu trennen.

      Liebe Grüße,
      Nadine

  2. Wow das ist eine tolle Liebeserklärung!
    Vielen Dank für dein Vertrauen, uns an deine Reise der Selbst-Entdeckung und -Akzeptanz teilhaben zu lassen!

  3. Ich halte das Konzept Dankbarkeit im Zusammenhang mit Assistenzleistungen für Behinderte ebenfalls für fehl am Platz. Selbstbestimmtes Leben ist ein Menschenrecht, für alle Menschen. Und sicher kann man im philosophischen Sinne dafür dankbar sein, dass man unter Umständen lebt, die ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen (wobei die meisten Behinderten und ihre Familien hart dafür kämpfen müssen), jedoch sollte das in meinen Augen nie dazu führen, dass aus lauter Dankbarkeit Schwierigkeiten nicht angesprochen werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.