„Fucking Disabled“

„Fucking Disabled“ ist ein Theaterstück, in dem das Thema Sexualität und Behinderung auf eine ganz neue Art und Weise angesprochen wird. Ich muss gestehen, dass ich ungerne zu Veranstaltungen gehe, die sich mit dem Thema Behinderung beschäftigen. So oft treffe ich auf Klischees und Vorurteile, die auch seitens der Behinderten bekräftigt werden. Um mich anschließend nicht zu ärgern, meide ich solche Veranstaltungen für gewöhnlich. Hin und wieder kann ich mich allerdings überwinden und besuche sie dann doch. Diesmal war ich sogar sehr froh darüber, weil ich nach der Vorstellung unglaublich geflasht war.

Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll, weil mir so viele Gedanken durch den Kopf schießen, wenn ich an die Aufführung denke.

In dem Stück „Fucking Disabled“, das von David Westphalen initiiert wird, spielen vier Protagonisten sowohl mit als auch ohne Behinderung mit. Lucy, eine wunderschöne junge Frau mit einer zauberhaften Stimme. Sie hat die gleiche Behinderung wie ich und entspicht somit nicht dem gesellschaftlichen Schönheitsideal. Pawel, ein professioneller Tänzer. Deva, eine Tantralehrerin und zeitgleich Sexualassistentin/Sexualbegleiterin auch für Menschen mit Behinderung. Danijel, der selbstbewusst und offen mit seiner Sexualität umgeht, zeigt den Zuschauern, wie begehrenswert sein spastischer Körper ist.

Abgesehen von meinem Patzer direkt am Anfang des Stücks, ist es ein wirklich wunderbarer Abend. Die Zuschauer sitzen zum Teil um die „Bühne“ herum (unter anderem auch ich), genau das vermittelt dem Zuschauer das Gefühl ein Teil der Performance zu sein. Direkt am Anfang kommt Danijel auf die Bühne. Er schaut sich um und gibt einer Zuschauerin das Mikrofon, verschwindet und das Licht geht aus. Wir können alle einander nicht sehen, plötzlich hören wir eine wunderschöne zarte Stimme einer Frau. Sie spricht zu der Zuschauerin mit dem Mikrofon. Ich habe zuvor noch gehofft, dass das bitte kein interaktives Theaterstück sein möge. Die Frau mit der zarten Stimme aus der Dunkelheit hat die Absicht die Zuschauerin mit ihren Worten zu verführen, indem sie ihr beschreibt, wie sie sie am liebsten liebkosen möchte. Sie fragt die Zuschauerin nach ihren Fantasien, was sie sich in dem Moment wünschen würde. Ich bin einerseits fasziniert, andererseits hoffe ich, dass das Mikro nicht weitergereicht wird. Auch wenn es dunkel ist und wir einander nicht sehen, habe ich dennoch keine Lust vor allen Dirty-Talk zu führen. Aber natürlich wird es weitergereicht. Beim zweiten Mal bleibe ich zwar verschont, aber beim dritten Mal nicht mehr. Ich bekomme das Mikrofon und verfluche innerlich die Welt. Zu allem Übel spricht die Frau aus der Dunkelheit ausgerechnet mit mir Englisch. Wie aus der Pistole kommt aus mir „Oh nein, mein Englisch ist doch so grottig geworden“ laut heraus. „Du Holzkopf, dass hast du jetzt nicht laut gesagt, oder?“, denke ich mir nur, während ich höre, dass die Zuschauer um mich herum sehr amüsiert von meinem Satz sind. Am liebsten möchte ich in dem Moment laut ins Mikrofon lachen, weil das wieder so typisch für mich ist. Ich verstehe nur, dass ich ins Mikro hauchen oder atmen soll, kann ich aber nicht, weil ich mein Lachen so zurückhalten muss… Bis meine Assistentin mich leise anschnauzt: „Jetzt blas endlich in dieses scheiß Mikro.“ Ich schaffe es feucht ins Mikro zu pusten. Ich weiß, ich bin Sex pur, an Sexiness nicht zu übertreffen. Es ist mir so unangenehm, weil ich kurz vor dem Stück mit einem hübschen jungen Mann Blickkontakt gehalten, und versucht habe, mit ihm zu flirten. Ich denke mir nur die ganze Zeit, falls er mich doch sieht, muss er denken, dass ich ein riesen Idiot bin. Eine Glanzleistung von mir.

Ich muss aber zu meiner Verteidigung sagen, dass ich wirklich eine Phobie davor habe, vor fremden Menschen zu sprechen und wenn das in einer Sprache passieren soll, die ich zwar beherrsche, aber nicht tagtäglich spreche, ist bei mir alles vorbei. Das ist zwar besser geworden, seitdem ich in der Uni bin und hin und wieder Vorträge im Rahmen meines Blogs halte, aber um mich nicht komplett unwohl dabei zu fühlen, muss ich gut vorbereitet sein.

Zurück zum Stück: direkt am Anfang wird deutlich, dass der Körper eine große Rolle in dem Theaterstück spielen wird. Danijel verweist auf alle einzelne seiner Gliedmaßen und betont bei jeder, wie begehrenswert er diese findet, auch sein rechtes Bein, welches von einer spastischen Lähmung betroffen ist. Im Anschluss der Liebesbekundungen von Danijel an seinen eigenen Körper, wird die Aufmerksamkeit auf Lucy und Pawel gelenkt.

Die Geschichte der beiden hat mich besonders berührt, weil sie mein Singleleben exakt widerspiegelt. In der Szene, die auf eine Szene aus dem Film von Dustin Hoffman die „Reifeprüfung“ basiert, können wir Zuschauer beobachten, dass die beiden einander begehren und auf sexueller Ebene sich zueinander hingezogen fühlen. Pawel begehrt Lucy, weiß aber nicht, wie er damit umgehen soll, ob es sogar falsch ist sie zu begehren. Um genau zu sein weiß er nicht, wie er mit ihrer Behinderung umgehen soll. Er will sie, aber weiß nicht wie und was er tun soll. Immer wieder kommt auch die Assistenz zur Sprache. Er hat Sorge, dass die Assistentin jederzeit auftauchen könnte, das wäre ihm eventuell unangenehm (ein klassisches Thema). Ich habe bei dem Gefühlschaos der beiden so sehr mitgefühlt. Lucy hat zwischendurch Zweifel, ob er sie überhaupt attraktiv findet. Doch er bekundet immer wieder, wie begehrenswert er sie findet.

Ich persönlich finde es schmerzhaft zu merken, dass mein Gegenüber mit meiner Behinderung nicht zurechtkommt oder es sogar von diesem Menschen zu hören. Es ist nichts, was ich ändern kann. Meine Behinderung ist ein Teil von mir. Wenn aber genau dieser Teil von mir, mich für den Mann unattraktiv macht, den ich eigentlich begehre, dann kann das manchmal ganz schön zermürbend sein.

Doch Lucy und Pawel finden zueinander. Er kann seine Berührungsängste mit ihrer Hilfe und dank ihren Verführungkünsten ablegen. Ich kann meine Augen von den beiden nicht lassen. Zu beobachten, wie Lucy Pawel mit ihren Augen auszieht. Er genau das ausführt, was ihre Blicke ihm vorgeben. Zu beobachten wie er sie auszieht, den Austausch der tiefen Blicke, während er ihren Joystick nach hinten drückt, um sie vor der Matratze zu parken (ein kleines sexy Machtspiel), weil er es nicht erwarten kann, sie auf die Matratze zu tragen. Zu beobachten wie sie auf der Matratze liegt, er sich in den Rollstuhl setzt…um die Matratze herumfährt und man ihm ansieht, wie sehr er ihren Anblick genießt. Die Luft knistert förmlich. Die beiden geben ein sehr leidenschaftliches Bild ab. Sie küssen und beißen sich, er schlägt ihr auf den Po, kneift sie und schmeißt sie von der einen Seite zur anderen, auf der Matratze. Anschließend sitzen sie eng umschlungen auf der Matratze voreinander. Weil Lucy sich aufgrund ihrer Muskelschwäche nicht halten kann oder nicht lange sitzen kann, werden die beiden mit einer bestimmten Bondagestechnik von Deva „gefesselt“. So können die beiden nochmals ohne große Anstrengung ihre Körper einander spüren und die Zweisamkeit genießen.

In den Artikeln, die ich über dieses Theaterstück gelesen habe, steht dass die Matratzenszene extra so lange gewählt wurde, damit die Zuschauer sich unter anderem an die „andersartigen Formen“ von Lucy gewöhnen können. Als Lucy die Bühne betrit, war mein einziger Gedanke: wie schön sie doch ist. Ich habe selten eine Frau gesehen, die so viel Anmut ausstrahlt. Sie ist nicht einfach nur sexy, sie ist mehr als das in meinen Augen. Sie versinnbildlicht pure Schönheit und Anmut. Ich bewundere sie für ihr Selbstbewusstsein. Das meine ich gar nicht negativ. Im Laufe des Abends habe ich festgestellt, dass ich mich ein wenig mit ihr verglichen habe. Ich habe mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, mich ebenfalls fast oder sogar komplett nackt auf der Bühne zu zeigen. Inwieweit gehe ich wirklich selbstbewusst und offen mit meinem Körper um? Gar nicht lange her, hätte ich es mir absolut nicht vorstellen können mich so offen zu präsentieren, heute schon eher. Eben weil ich mich für meine „andersartigen Formen“ an meinem Körper geschämt habe. Jetzt erst erkenne ich meine persönliche Schönheit. Wenn ich daran denke, wie viele Frauen es gibt, die sich ebenfalls mit der ganzen Thematik schwertun. Ich weiß, wie hart es sein kann, sich selbst noch nicht wirklich akzeptiert zu haben. Umso schöner finde ich es, dass es Frauen wie Lucy gibt, die in die Welt rufen: zeigt euch!

Dieses Theaterstück ist ein großartiger Beitrag zu der Inklusionsdebatte in unserer Gesellschaft, vor allem in Bezug auf der zwischenmenschlichen Ebene. Warum?

Zum einen zeigt es natürlich, dass Menschen mit Behinderung keine Streicheltiere, sondern sexuelle Wesen sind. Zum anderen wird den Zuschauern deutlich gemacht, dass ein Mensch mit Behinderung, ein vollwertiger Sexualpartner ist. Ich habe häufig mitbekommen, dass bei Außenstehenden die Sorge besteht, dass insbesondere Frauen mit Behinderung auf irgendeine Art und Weise beim Sex ausgenutzt werden können. Auch wenn Lucy sich kaum, im Gegensatz zu Frauen ohne eine solche Behinderung, bewegen kann, findet das Liebesspiel zwischen den Beiden so sehr auf Augenhöhe statt. Der Sex zwischen ihnen hat absolut nichts mit Missbrauch und Machtausübung zu tun. Pawel lebt in seiner Rolle auch keinen Fetisch für explizit Frauen mit Behinderung aus. Es sind einfach zwei Menschen, die sich begehren. Es ist dennoch eine Begegnung die in unserer Gesellschaft nicht der Norm entspricht.

Des weiteren wird thematisiert, dass der Sex mit einem Menschen mit Behinderung absolut nicht langweilig sein muss und man aufgrund seiner Behinderung nicht unbedingt mit Samthandschuhen angefasst werden möchte und es ruhig auch mal härter zugehen kann. Kein Blümchensex, es sei denn man wünscht sich diesen. Ich habe generell das Gefühl, dass unsere Gesellschaft so sehr von der Pornoindustrie geprägt ist und genau deshalb „guter Sex“ nur mit ständigen Stellungswechsel in Verbindung gebracht wird. Je mehr Stellungswechsel untergebracht werden können, desto besser. Erfahrungsgemäß wird das bei einer Rollstuhlfahrerin automatisch ausgeschlossen. Und wenn Doggy nicht funktioniert, dann kann es erst recht keinen geilen Sex geben. Ich stelle das Ganze natürlich etwas überspitzt dar, aber eine leichte Tendenz in die Richtung dieser Art von Denken konnte ich bei einigen Kerlen beobachten. Es sind natürlich nicht alle so, ich möchte an dieser Stelle nicht verallgemeinern. Fakt ist: wir können uns in diesem Stück davon überzeugen, dass Sex mit einer Rollstuhlfahrerin nicht gleich nur Missionarstellung bedeutet. Sex bedeutet für mich unter anderem auch das ausleben von Fantasien und wenn man Fantasievermögen hat, dann ist auch mit eingeschränkter Bewegungsmöglichkeit einiges möglich!

Außerdem finde ich das Theaterstück in dem Sinne eine schöne Abwechslung, weil nicht wieder ein Mensch mit Behinderung gezeigt wird, der seine sexuellen Begierden bei einer Prostituierten oder bei einer Sexualassistenz befriedigt bekommt. Dieses Stück ist einfach fernab von jeglichen Klischees, die man mit Menschen mit Behinderung in Verbindung bringt.

Besonders gut haben mir Pawel´s Worte gefallen, als er nach der Aufführung zusammen gefasst hat, was er aus diesem Stück gelernt hat. Er meint, dass die Behinderung beim Liebesakt und allem was davor und danach dazu gehört absolut kein Problem darstellt. Vielmehr sind es die Barrieren in den Köpfen unserer Gesellschaft, die ein Zusammenkommen zwischen zwei Menschen (der eine mit, der andere ohne Behinderung) problematisch gestalten. Das Stück erinnere uns daran, dass wir alle im Grunde anders sind, vor allem im Hinblick unserer körperlichen Gegebenheiten und Möglichkeiten. Lässt man sich genau darauf ein, lassen die selbst konstruierten, aber auch die von der Gesellschaft vorgegeben Barrieren im Kopf nach. Ich finde es schön, dass er sich in diesem Sinne mit dem Regisseur verglichen hat. Er sei ein Tänzer und somit sehr beweglich, aber das mache ihn noch lange nicht zu etwas „Besserem“ oder einem „fähigeren“ Menschen, im Gegensatz zu dem Regisseur, der eher unsportlich sei. Zudem habe das Theaterstück deutlich gemacht, dass das anfänglich „Unnormale“, im Endeffekt gar nicht „unnormal“ ist. Es sei alles „normaler“ als vielleicht erwartet.

Und es stimmt, ich habe während des Stücks nichts gesehen, was in anderen Schlafzimmern nicht auch passiert. Oder wo auch immer ihr Sex habt, ihr Lieben. Man solle nicht viel darüber nachdenken, wie solch eine Begegnung eventuell verlaufen könne, sondern einfach machen und ausprobieren. Wahre Worte!

Ich verabschiede mich an dieser Stelle und empfehle euch wärmstens Werbung für „Fucking Disabled“ zu machen und vor allem diese wunderschöne Aufführung zu besuchen.

Eure Katja

Die PARTEI, mein Assistenzdilemma und einfach ich

     

„Komm doch mal aus dir heraus, Katja“, wie ich diesen Satz von meiner Freundin liebe. Was so viel heißt wie: öffne dich für neue Dinge!

Es gab unzählige Abende/Tage an denen sie mir gepredigt hat politischer zu werden. Ich bin zwar wählen gegangen, aber da endete dann auch mein politisches Engagement schon.

Ich hätte ihrer Meinung nach viel zu sagen… Allerdings habe ich mich in keiner Partei so richtig gesehen. In den schwächsten Momenten meines Singledaseins hat sie mir nach beschissen gelaufenen Dates, wenn ich Trübsal geblasen habe, YouTube-Videos von Martin Sonneborn gezeigt und mir somit immer wieder ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Normale Freunde trösten mit Eis und Schokolade, meine Freundin mit Politik. Nein, es gab auch Eis und Schokolade, Martin Sonneborn war eben noch das i-Tüpfelchen. Irgendwann war ich darauf konditioniert, ihn zu recherchieren, wenn es mir nicht gut ging. Klingt nach einer Gehirnwäsche? Sehe ich auch so!

Diesen kleinen Funken, den die Partei Die PARTEI dank Martin Sonneborn in mir auslöste, wollte meine Freundin anscheinend unbedingt zu einem großen Feuer entfachen und hat  deshalb über meine E-Mail-Adresse Martin Sonneborn geschrieben, der mir/uns tatsächlich auch geantwortet hat. Er lud uns in dieser E-Mail zu einer Veranstaltung in Köln ein, auf der er einen Vortrag halten sollte. An diesem Tag hatte ich die Möglichkeit eine kurze Unterhaltung mit ihm zu führen und nach einer sehr amüsanten Diskussion, ob er mich als seine Quotenbehinderte in der Partei benötigt oder nicht (er hat dankend abgelehnt, sich aber gewünscht, dass ich mich als „Normalo“ in der Partei engagiere), habe ich mich endgültig in ihn verliebt. Schon vor dem Treffen mit ihm hat meine Freundin mit dem KV Köln Rücksprache darüber gehalten, ob die Location barrierefrei ist, in der sich die Genossen treffen. Eine barrierefreie Location war zu dem Zeitpunkt nicht gegeben. Wir wurden witzigerweise nach der Veranstaltung aber von einem Genossen angeschrieben, der uns versprochen hat, dass sich das bald ändern wird…meine Freundin könnte schon mal ihren Gepäckträger (ich war mit dem Gepäckträger gemeint) besteigen und mit mir losdüsen, schrieb er.

Eigentlich war es unser gemeinsames Projekt, aber nachdem sie mich ein bis zweimal begleitet hat, hatte sie keine Zeit mehr mitzukommen. Ich unterstelle ihr immer noch, dass das ein perfider Plan war, mich in die Politik zu stecken. Du Swein Hunde!

Der Anfang dann ohne meine Freundin war erstmal nicht so easy für mich. Das lag aber nicht an der Partei. Zuerst einmal kam ich in eine Gruppe, die bereits zusammengewachsen war. Natürlich macht man sich Gedanken, wie man als „die Neue“ ebenfalls hineinkommt. Aber gut, das unterscheidet mich nicht großartig von den Anderen, die auch neu dazukommen. Vielmehr war ich verunsichert, weil ich nicht wusste, wie ich die Assistenz handhaben soll. Bei den Stammtisch-Treffen der Partei Die PARTEI waren nur mir unbekannte Menschen um mich herum. Der einzige Mensch, der mir vertraut war, war meine Assistentin. Mir war noch nicht danach fremde Menschen darum zu bitten an mein Portmonee zu gehen, um für mich zu zahlen und mir anschließend mein Getränk anzureichen… Das war für mich eine neue Situation.

Wenn ich mit Freunden unterwegs bin, übernehmen sie die kleinen Handgriffe und wenn sie darauf keinen Bock haben, dann ist die Assistenz trotzdem irgendwie „unsichtbar“. Sie kommt, wenn ich etwas brauche und geht wieder, wenn ich nichts brauche. Wenn der benötigte Handgriff etwas länger dauert, beteiligen sie sich auch nicht immer an den Gesprächen mit meinen Freunden. Die Beschreibung klingt jetzt vielleicht ein wenig hart, aber so brauche ich das. Ich möchte nicht in alle meine Lebensbereiche meine Assistenz hineinlassen und wahre deshalb eine gewisse Distanz, weil ich ansonsten verrückt werden würde. Jeden Tag einen Menschen um mich herum oder in meiner Nähe zu haben, kann mich manchmal ganz schön wahnsinnig machen, darum muss ich einen Weg für mich finden meine Privatsphäre aufrechterhalten zu können.

Da ich größtenteils Tinder-Dates habe, kommt es relativ schnell zur Sprache, dass ich hier und da auf „Hilfe“ angewiesen bin. Ich gehe offen in meinem Datingleben mit meiner Behinderung um, daher ist vor dem ersten Date so ziemlich alles geklärt und die Typen wissen, was sie erwartet und wie sie mir behilflich sein können, um wirklich zweisam sein zu können. Ich Fuchs, habe auch mittlerweile Tricks ausgetüftelt, mit denen ich dafür sorgen kann, dass mein Date und meine Assistentin sich gar nicht in der Wohnung begegnen müssen. Auf das alles bin ich vorbereitet.

Ja, und bei der Partei Die PARTEI war ich ein wenig überfordert. Aus den vorhin genannten Gründen war es mir anfangs lieber meine Assistentin bei mir zu haben. Nach einer gewissen Zeit ist mir auch aufgefallen, dass meine Genossen sich die Handgriffe von meinen Assistentinnen abgeschaut haben und diese automatisch irgendwann übernommen haben. Man hat sich eben näher kennengelernt, hat vielleicht auch außerhalb der Partei etwas unternommen oder ist nach dem Stammtisch noch was essen gegangen. Bald kristallisierten sich die ersten Lieblinge heraus. Menschen, die über meine geistigen Aussetzer großzügig hinwegsehen und darüber schmunzeln können. Zwinker.

Von Anfang an wurden natürlich meine Assistentinnen miteinbezogen, alles andere erscheint einem Außenstehenden selbstverständlich unhöflich. Irgendwann hat es aber angefangen mich zu stören. Ich habe lange hin und her überlegt, ob ich übertreibe und woran das liegen könnte. Denn wenn ich eine Freundin dabei hatte mit der ich nicht noch zusätzlich ein Arbeitsverhältnis habe, hat es mir nichts ausgemacht, sobald es aber die Assistentin war, war ich unglücklich mit der Situation. Bei manchen meiner Assistentinnen fiel es mir schwer zu sagen, dass sie Abstand halten sollen, weil ich gemerkt habe, dass sie begeistert von dem Stammtisch waren und auch nette Unterhaltungen mit den Parteimitgliedern geführt haben. Vor allem, wenn das Arbeitsverhältnis auch noch eine freundschaftliche Komponente hat, fiel es mir noch schwerer sie darum zu bitten.

Ich weiß nicht, ob es an meinen Erfahrungen liegt, die ich bisher immer mal wieder im Leben so gemacht habe. Es gab hier und da Phasen/Situationen in denen ich mich aufgrund meiner Assistenz nicht als alleinstehende Person wahrgenommen gefühlt habe. Das fing in der Schule an, dass mir hin und wieder unterstellt wurde, dass ich meine guten Noten meinen Assistenten zu verdanken habe, weil ich schon immer meinen Assistenten in den Klausuren diktieren musste. Mündlich war ich immer eine Niete, weil ich nie Bock hatte mich zu melden und schriftlich war ich eine super Schülerin. Ich erinnere mich noch, wie meine Spanischlehrerin darüber verwundert war, dass meine Noten nicht schlechter wurden, nachdem ich eine Assistentin bekam, die absolut kein Wort Spanisch konnte.

In meinem Datingleben begegnet mir das auch zwischendurch, da manche Kerle sich einen Dreier mit mir und meiner Assistentin erhoffen (zum Glück gibt es diese Exemplare eher weniger), sobald sie von meiner Lebensform mit der persönlichen Assistenz erfahren. Auf der Straße sprechen manche Menschen meine Assistentin an, obwohl sie eigentlich was von mir wissen wollen… Ich könnte so fortfahren.

Mit meiner geliebten Lebensberaterin und zeitgleich besten Freundin Sarah habe ich darüber gesprochen, vor allem weil mir mein innerlicher Wettbewerb mit meiner Assistentin total peinlich war. Ich dachte, sie lacht mich aus. Aber nein, sie hatte Verständnis und meinte dazu, dass es vollkommen egal sei, weshalb ich möchte, dass meine Assistentin sich zurückhält. Sobald ich mich auf irgendeiner Weise von meiner Assistenz eingeschränkt fühle, erfülle diese nicht den Sinn dieser Lebensform. Sie erinnerte mich nochmal daran offen mit meinen Mädels zu reden und klare Regeln aufzustellen, denn so lustig und toll meine Assistentinnen manche meiner Aktivitäten finden mögen, hat jede einzelne von ihnen nach dem Dienst ihr eigenes Leben wieder. Ich hingegen habe für den Rest meines Lebens einen „ständigen Begleiter“ an meiner Seite und muss für mich persönlich einen Weg finden glücklich zu werden.

Ich verstehe natürlich, weshalb manche meiner Mädels sich in meiner Partei wohlfühlen und eher weniger abseits sitzen möchten. Ich glaube, ich hatte noch nie so viele normal-denkende Menschen, die auch noch im positiven Sinne gesellschaftskritisch sind auf einem Haufen.

Beim Kennenlernen meiner Genossen konnte ich auch kein Rollstuhl-Bingo spielen. Kein einziger Mensch der folgende Sätze rausgehauen hat: „Soll ich schieben? Ich hab mal Zivi gemacht.“, „Du arme… So hübsch und dann im Rollstuhl.“, „Ich wäre auch mal fast in so einem Ding gelandet.“, „Kann man da noch was machen?“, „Du inspirierst mich!“, „Toll, dass du trotzdem rausgehst und dein Schicksal so großartig meisterst.“ Die Klassiker eben!

Scherz, das habe ich ehrlich gesagt auch nicht erwartet. Eine Partei, die sehr gute Politik betreibt und schon bald die Weltherrschaft an sich reißen wird, muss für alle möglichen Menschen offen sein und tolerant miteinander umgehen. Nazis, die FDP, Seehofer, Merkel usw… ausgeschlossen, versteht sich von selbst.

Nach dem letzten Stammtisch fuhr ich mitten in der Nacht am Rhein entlang nach Hause und fragte meine Assistentin, ob sie dieses oder jenes mitbekommen hat und lobte sie dafür, wie gut sie mir mein Getränk ohne Strohhalm angereicht hat. Ich lass das nämlich nicht jeden machen, weil ich nicht vollgekleckert werden will. Nachdem ich meinen Lob ausgesprochen habe, fiel mir ein, dass eine Genossin mir dabei assistiert hat. Meine Assistentin lachte und wies mich ebenfalls darauf hin, dass sie weder was mitbekommen, noch mir assistiert hat. Klingt vielleicht verrückt, aber ich verspürte eine Art Glücksgefühl, weil ich ihr was erzählt habe was sie nicht beobachtet hat.

Ich genoss die Aussicht auf den Rhein und dachte mir, dass es genau das ist, was ich wollte. Einfach nur ich sein, einfach Katja in der Partei Die PARTEI.

Liebste Grüße aus Köln, ihr Lieben!

Eure Katja

…verzerrte Schönheit

Du und ich, saßen vor ein paar Jahren in einer Bar. Ich kann es dir nicht erklären, aber an diesem Abend wurde mir irgendwie klar, dass du einen ganz besonderen Platz in meinem Leben einnehmen wirst. Ouhje, kaum denke ich daran, was ich mit dir verbinde, schon kullern mir die Tränen aus den Augen… An diesem Abend habe ich mich zum ersten Mal getraut zu äußern, was es für mich heißt mein Sexualleben auszuleben… Ich war damals noch mit meinem Ex zusammen und die, die meinen Blog etwas länger verfolgen, wissen, dass mein Ex und ich nicht mal eben Sex haben konnten und dafür sehr viel Geld ausgeben mussten, um sich wenigsten hin und wieder sexuell näher kommen zu können. Ich habe dir erzählt, wie sehr mich das zerfressen hat und dass es da eventuell eine Lösung für gäbe, aber dafür hätte ich die Unterstützung meiner Assistenz in Anspruch nehmen müssen. Ich habe mich irgendwie dafür geschämt meine Assistentin darum zu bitten mich nackt in den Lifter zu hängen und mich dann mit meinem damaligen Freund allein zu lassen, um mich von ihm oral befriedigen zu lassen.Von außen betrachtet, kann man sich vielleicht denken, dass ich da meinen Assistenten schon nichts Schlimmes abverlangen wollte, weil sie mich so oder so nackt im Lifter sehen, beispielsweise bei der Pflege. Aber das war für mich eine vollkommen andere Situation, die auch mir bisher nicht bekannt war… Ich wollte mein Sexualleben allein für mich haben und niemand anderen, außer meinen Sexualpartner daran teilhaben lassen.

Ich weiß noch, wie du mir an diesem Abend deutlich machen wolltest, dass das nichts ist, wofür ich mich schämen sollte: „Katja, jeder von uns befriedigt sich selbst, hat Sex… Das ist absolut nichts Unnatürliches, wonach du dich sehnst. Um dein Sexualleben ausleben zu können, bedeutet das für dich, dass du mit anderen in gewisser Weise darüber reden musst. Aber das sind doch alles Dinge, die wir auch tun und wenn eine Assistentin ein Problem dabei hat, dich in dieser Hinsicht zu unterstützen, dann ist sie die falsche Assistentin für dich. Aber das ist noch lange kein Grund dafür, auf dein Sexualleben zu verzichten, nur weil du glaubst, dass deine Assistenz ein Problem damit haben könnte. Ich kann mir vorstellen, dass dir das nicht leicht fällt, aber das ist der einzige Weg.“, so in etwa war deine Message an mich. Deine Worte haben mich noch lange beschäftigt und ich habe tatsächlich deinen Rat umgesetzt. Viele meiner Assistentinnen haben auf folgende Weise reagiert: „Gut, dass du das jetzt ansprichst. Ich habe auch schon überlegt, wie ich dich darauf ansprechen könnte, ob ich dich diesbezüglich irgendwie unterstützen oder dir assistieren könnte.“ Du hast damit einen riesen Stein in meinem Leben ins Rollen gebracht. Seitdem ist dieses Thema auch ein wichtiges Thema bei Bewerbungsgesprächen mit neuen Assistentinnen.

Jedoch glaube ich, dass dir schon sehr früh in unserer Freundschaft aufgefallen ist, dass mein Schamgefühl und die Unsicherheit bezüglich meines Sexuallebens einen ganz bestimmten Grund hat. Allein meine Beziehung zu meiner Scheide, wie ich sie heute unter anderem liebevoll nenne – du kennst mich – war nicht wirklich gesund. Ich hatte ihr gegenüber eine Art Abwehrhaltung… Ich fand sie hässlich, obwohl ich meine Vagina zu dem Zeitpunkt noch nicht wirklich gesehen habe. Aber wie könnte ich sie auch lieben, wenn ich sie weder zuvor gesehen, noch angefasst habe? Zudem hatte ich ab einem gewissen Alter das „Problem“, dass ich nicht mehr die knappsten Höschen tragen konnte, weil nicht alles verdeckt war. Und da ich mir meine Unterwäsche nicht selber anziehen kann, bekam ich in meinem Leben hin und wieder Kommentare diesbezüglich. Daraus schlussfolgerte ich irgendwann, dass meine Scheide riesengroß sein muss und so hässlich ist, dass sie nicht der Norm entspricht und deshalb nicht in knappe Höschen passt. (Ich muss gerade über die Vorstellung lachen.) Irgendwann hast du angefangen meine Haltung bezüglich meiner Vagina zu hinterfragen, indem du genauer nachgefragt hast, warum ich eher negativ über sie spreche. Als ich dir die soeben genannten Gründe offenbarte, hast du mir angeboten Fotos von meiner Scheide zu machen. Du hast versucht mir klarzumachen, dass ich keine riesengroße Scheide habe, aber mit den Fotos sollte ich mich selbst davon überzeugen. Es war mir natürlich irgendwie unangenehm Bilder von meinem Intimbereich machen zu lassen, weil ich es eben nicht im Geheimen selber machen kann. Aber die Neugier war doch größer als mein Schamgefühl. Du glaubst gar nicht, wie weit mich sowas in meiner Selbstakzeptanz gebracht hat. Du hast den Weg geebnet eine andere Beziehung zu meiner Vagina aufzubauen. Weißt du noch, als ich mich darüber beklagt habe, dass Sex für mich nicht immer ganz schmerzfrei war? Eines Tages hattest du Dienst bei mir und ich habe dich kurz vorm Schlafengehen gebeten mir eine Milchsäurebakterienkapsel in mich einzuführen. Als die Kapsel längst in mir verschwunden war, fragte ich dich, warum du mit deinem Finger immer noch in mir rumwühlst 😀 „Ich wollte checken, ob du wirklich so eng bist, wie du immer angibst.“, sagtest du und verdrehtest lächelnd deine Augen. Nachdem ich mich nach meinem Lachflash beruhigen konnte, meintest du: „In deiner Mumu sieht es folgendermaßen aus… darum würde ich sagen, es würde helfen, wenn dein Sexpartner darauf achtet, dass er beim Sex…“ Schatz, du glaubst gar nicht, wie viele Gedanken du mir dadurch genommen hast, die mich eine lange Zeit fertig gemacht haben, weil ich glaubte, dass an mir etwas nicht stimmt. Um nicht die „Spaßbremse“ beim Sex zu sein, gab es einige Tage, an denen ich schmerzhaften Sex über mich ergehen ließ. Dabei war die Lösung gegen die Schmerzen eigentlich ganz einfach und ohne deine „Wühlaktion“ in meiner Vagina hätte ich niemals davon erfahren. Vor gar nicht so langer Zeit saß ich völlig bedröppelt in meinem Wohnzimmer und erzählte dir, dass die Assistentin vom Vortag anscheinend ein zweites Loch in meiner Scheide gefunden hat. Stellt euch vor, man würde euch das sagen, Mädels? Was würdet ihr tun? Ihr würdet doch sicher direkt nachsehen. Ich war einfach nur fassungslos. Mein Liebling, du musstest über diese Information so sehr lachen und sagtest: „Aber das glaubst du doch wohl jetzt nicht, oder? Ich bin mir sicher, sie war einfach nur zu dämlich dir eine Kapsel oder ein Tampon einzuführen, oder was auch immer du da wolltest.“ Natürlich war die Vorstellung zwei Löcher unten zu haben für mich vollkommen absurd, vor allem weil ich in meinem Leben auch Frauenarztbesuche hinter mich gebracht habe, irgendeinem von denen wäre das sicher aufgefallen. Aber irgendwie beschäftigte es mich natürlich trotzdem. Einige Tage später wollte ich wieder eine Milchsäurebakterienkapsel einführen lassen (ja, ich tue es regelmäßig, weil es der Scheidenflora sehr gut tut. Kann ich nur empfehlen, Mädels!) und ein erneutes Mal brauchtest du dabei etwas länger als sonst. „So, du hast definitiv keine zwei Löcher. Wie ich schon vermutet habe, hat die gute Assistentin anscheinend selbst keine Ahnung, wie eine Scheide aufgebaut ist und hatte vielleicht deshalb Schwierigkeiten dabei?“, obwohl schon ein wenig Zeit vergangen ist und ich auch nicht mehr darüber gesprochen habe, hattest du anscheinend die Vermutung, dass es mich immer noch beschäftigen könnte. Ich schätze deine Empathie und deine einfühlsame Art sehr. Ich möchte an dieser Stelle auch nochmal klarstellen, dass zwischen meiner besten Freundin (zeitgleich auch meine Assistentin) absolut nichts Sexuelles passiert ist. Sie ist einfach der offenste und empathischste Mensch, den ich kenne, der auch noch viele Dinge sehr nüchtern betrachtet und absolut keine Berührungsängste hat. Ich liebe dich unheimlich dafür!

Du hast den Kern meiner Selbstzweifel und meiner Unsicherheiten erkannt. Irgendwann fingst du an mich nach der Dusche in meinem Lifter vor dem Spiegel zu parken… Mit dem Kommentar: „Schau nur Schatz, wie wunderschön du doch bist…ähm, ich muss übrigens kurz ins Wohnzimmer, ich hab dort was vergessen.“ In solchen Situationen war mir klar, dass du nichts in dem anderen Zimmer vergessen hast, sondern dass es dir darum ging, dass ich mich in Ruhe nackt vor dem Spiegel betrachte. Jedes Mal hast du mich aus einer anderen Perspektive vor den Spiegel gestellt. Ich hatte Tränchen in den Augen, in solchen Momenten, die du mir geschenkt hast…. Wenn ich nackt vor dir liege oder sitze, hast du ganz plötzlich Ideen, wie man mich auf einem Bild in Szene setzen kann. Ihr müsst euch das so vorstellen: Ich lasse mich ins Bett legen und plötzlich hat meine Sarah einen Einfall: „Das sieht mega sexy aus, wie du gerade liegst. Lass mich ein paar Bilder machen, ich bearbeite sie und schicke sie dir.“ Ich habe nun eine kleine Sammlung an Nacktfotos von mir, die mich daran erinnern sollen, wie schön ich in Wirklichkeit bin:)

Wie ich dir schon oft erzählt habe, wurde das sexuelle Wesen in mir irgendwo belächelt und abgetan, wohl gar nicht aus Böswilligkeit, wahrscheinlich aus Schutz. Meine Familie wollte nicht, dass ich auf irgendeiner Weise in dieser Hinsicht verletzt oder ausgenutzt werde. Auch wenn das alles nicht böse gemeint war, hat es meiner Entwicklung zu einer FRAU stark geschadet. Du Sarah, bist wahrscheinlich in mein Leben getreten, um das Blatt zu wenden. Ich habe in meinem Leben unzählige Komplimente von Männern erhalten, doch keiner dieser Männer hat mich so unwiderstehlich fühlen lassen, wie du es getan hast. Nicht weil du mich wunderschön findest, sondern weil du mich meine eigene Schönheit erkennen lassen hast…vor allem hast du mich erkennen lassen, dass ich eine Frau mit sexuellen Bedürfnissen bin, für die sie sich nicht schämen braucht… Kein Date, kein Sex dieser Welt hätte mir das geben können…du hast mir das verzerrte Bild meiner Schönheit genommen. Du hast mich in gewisser Weise die Körpererfahrungen nachholen lassen, die mir gefehlt haben, um ein gesundes Selbstbewusstsein entwickeln zu können. Selbstverständlich lässt sich das nicht so schnell nachholen, aber du hast mich auf den richtigen Weg gebracht. Du hast mein Selbstbild verändert.

Ich danke dir dafür…

…dass du dir mein Gejammer angehört hast, wie dick, unförmig und was ich sonst noch alles war…

…dass es dich anscheinend so sehr irgendwo beschäftigt hat, dass du Wege gefunden hast mich erkennen zu lassen, dass ich eine verzerrte Wahrnehmung von mir hatte…

…dass ich mich von dir verstanden fühle, egal worum es geht…

…dass du mich verstehen lassen hast, dass meine Behinderung kein riesengroßer Makel ist, sondern einfach nur ein Teil von mir…

…dass ich ein Teil deines Lebens sein darf und du ein Teil meines Lebens bist…

…dass du mir immer wieder vor Augen führst, dass unsere Freundschaft grenzenlos ist…

…dass du zu meiner Familie geworden bist…

Ich muss gerade daran denken, wie wir uns vor ein paar Wochen gestritten haben und während unserer Funkstille von 2-3 Tagen uns gefühlt haben, als wäre ein geliebter Mensch verstorben. Du bedeutest mir unheimlich viel. In den einsamsten Stunden fängst du mich auf. An meinem ersten Geburtstag als frischgebackener Single hast du extra mit mir reingefeiert, damit ich mich um Mitternacht nicht einsam fühle. An Heiligabend hast du mich in den vierten Stock getragen, weil du weißt, dass ich nicht den familiären Background habe, um ein besinnliches Fest verbringen zu können. Silvester hast du mit mir in Berlin verbracht, weil ich mich so sehr in diese Stadt verliebt habe. Wenn ich ein kleines bisschen Liebeskummer habe, kommst du mit deinem kleinen Sohn vorbei (mein „Therapie Baby“) und zauberst mir dadurch ein Lächeln ins Gesicht. Weißt du, was ich an dir so sehr liebe? Du vervollständigst mich nicht, denn das haben wir beide nicht nötig, einen Menschen an unserer Seite zu haben, der uns auf irgendeine Weise ergänzt oder vervollständigt. Denn wir sind verdammte Powerfrauen  😀 😀 Bei dir kann ich einfach ich sein. Ich kann die arrogante Bitch sein…ich kann sogar die zerbrechliche Katja sein, die phasenweise eine Scheißangst vor dem Verlauf ihrer Behinderung hat. Du nimmst mich dann in den Arm, gibst mir einen Kuss und alles ist vergessen. Das muss einfach die wahre Liebe sein. Ich möchte dich niemals missen.

Wer bin ich heute, dank dir?

Natürlich habe ich noch Tage, an denen ich mich furchtbar fühle, aber ich mache mich nicht mehr unnötig fertig, bin selbstsicherer und selbstbewusster geworden. Im Sommer chille ich sogar nur in einem Bikinioberteil und einem Minirock im Park, das hätte es damals nicht gegeben. Ich zeige mich nun absolut gerne. Ob ich diese Entwicklung ohne dich gemacht hätte? Ich denke schon, aber auf keinen Fall so schnell. Danke, dass ich mich nicht erst mit 50 Jahren auf dem Weg befinde meinen Körper zu lieben 😀 Ich liebe dich. Du bist meine beste Freundin. Es gibt noch so viele weitere Gründe, weshalb meine Liebe zu dir so unfassbar groß ist… Ich habe mich lange davor gedrückt diesen Artikel zu schreiben, weil ich das Gefühl habe, dass ich gar nicht die richtigen Worte für dich finden kann.

Deine in ewig liebende Dominata-Pussy-Power

Katja <3

PS: was möchte ich mit diesem Beitrag bewirken möchte? Es geht mir nicht darum, dass ihr denkt: wow, was hat sie nur für eine tolle Freundin?! Ich habe großes Glück und fühle mich unheimlich gesegnet deshalb, dass meine beste Freundin mir dies alles ermöglicht hat. Es ist nichts, was man in einer Freundschaft voraussetzen sollte. Was ich euch vielmehr sagen möchte ist, dass es unheimlich wichtig ist, sich mit dem eigenen Körper auseinanderzusetzen. Es ist meiner Meinung nach auch eine ganz andere Lebensqualität, wenn man sich selbst besser kennt. Ich möchte es allen Frauen ans Herz legen. Aber ich denke gerade den Ladys mit einer Behinderung fällt das aus verschiedenen Gründen so schwer. Wenn die Körpererfahrung an der mangelnden Bewegungsfreiheit scheitert, dann sollte man sich Gedanken über eine Sexualassistenz machen, die einem das ermöglichen kann <3

Mein Körper und ich…

Zurzeit gebe ich mir die größte Mühe mein Studium zu beenden. Ich beschäftige mich mit einem Thema, das mir besonders am Herzen liegt. Ich widme mich bei meinen Hausarbeiten der Thematik: Inwieweit beeinflusst eine chronisch körperliche Behinderung die Entwicklung des Selbstbewusstseins?

Bei meinen Recherchen lese ich immer wieder, dass unsere Körpererfahrungen in den ersten Lebensjahren den Grundstein für unser Selbstbewusstsein bilden. Einerseits meint man damit die „Pflege, Zärtlichkeiten, den Hautkontakt, die Befriedigung der körperlichen Bedürfnisse und die Bewegungen/das `Bewegt-werden´ der Bezugspersonen. Andererseits spricht man von den eigenen Körpererfahrungen, in dem der Mensch seinen Körper selbst erforscht.

Beim Lesen muss ich immer wieder darüber nachdenken, wie das bei mir war. Wie hat sich mein Selbstbewusstsein entwickelt? Eine schwierige Frage und irgendwie für mich auch schwer zu beantworten.

Welche Körpererfahrungen habe ich gemacht?

Ich kann mich auf jeden Fall daran erinnern, dass ich zum Teil schöne, aber auch sehr viele weniger schöne Erfahrungen gemacht habe.

Meine Mutter hat sich stets liebevoll um mich gekümmert. Von ihr wurde ich verhätschelt und habe den höchsten Grad der Liebe, den ich von ihr bekommen konnte, erfahren.

Aber gerade die ersten Lebensjahre waren für mich zum Teil die Hölle. Ich bin bis zu meinem sechsten Lebensjahr in Kirgistan aufgewachsen. Die medizinischen Umstände waren dort unverantwortlich und einfach nur katastrophal. Man hat meinen Eltern Hoffnungen gemacht, dass ich irgendwann noch laufen lernen könnte und  hat ihnen eine Menge Geld aus der Tasche gezogen. Die Therapiemaßnahmen waren sehr schlimm für mich, obwohl ich noch so jung war, kann ich mich bis heute noch daran erinnern. Es gab nämlich „Ärzte“, die der Meinung waren, dass ich mit genug Bewegungsübungen meine Lauffähigkeit entwickeln könnte.

Der schlimmste Vorfall war, als ich auf den Bauch gelegt wurde und von mir verlangt wurde, dass ich Liegestützen machen sollte. Wer meine Behinderung kennt, sollte wissen, dass das ein Ding der Unmöglichkeit ist. Ich, als kleines Mädchen habe dennoch versucht mich zu bemühen, weil ich Angst davor hatte, dass mein Therapeut mir ansonsten Schmerzen zufügt. Als meine Bemühungen nicht ausreichten, zog der Therapeut mich zur Strafe an den Haaren hoch und legte anschließend meine Arme über Kreuz auf den Hinterkopf und zog mich hoch, dabei brach er mir die Schulter. Bis heute habe ich noch Auswirkungen von dem Bruch. Nach jeder Sitzung wollte ich unter keinen Umständen von irgendjemanden angefasst werden, weil ich die größte Angst hatte, dass ich wieder unerträgliche Schmerzen erleiden müsste.

Als ich in Deutschland war, stürzten sich sämtliche Ärzte auf mich. Die Mediziner sprachen oft von medizinischer Vernachlässigung. „Wie konnte man es nur so weit kommen lassen?“, sagten die Ärzte häufig. Ich konnte zu dem Zeitpunkt nämlich noch nicht einmal sitzen. Ich hatte eine solch starke Skoliose, dass ich auf der rechten Bauchseite saß, wenn man mich hingesetzt hat. Mein Rücken oder meine Wirbelsäule war quasi der Buchstabe C, nur andersrum. Dementsprechend habe ich meine ersten Lebensjahre im Liegen verbracht. In Deutschland wurde ich dann bereits mit sieben Jahren operiert und bekam eine Wirbelsäulenversteifung. Rückblickend kann ich sagen, dass das die beste Entscheidung war, die für mich getroffen wurde. Ich erinnere mich noch, dass mein Arzt immer wieder betont hat, was für ein schönes Mädchen ich sei und dass er mir die bestmögliche Lebensqualität ermöglichen möchte. Ob das „hübsch sein“ ein Grund dafür war, mag ich zu bezweifeln, aber es war sicher nett gemeint von ihm.

Im übrigen waren auch meine Sehnen im Leistenbereich so sehr verkürzt, dass man meine Beine nicht wirklich auseinander bekommen hat, woraufhin die Ärzte meinen Eltern ans Herz gelegt haben, eine weitere OP zu erlauben, um dem entgegenwirken zu können. Meine Mutter war vollkommen aus dem Häuschen: „Das klingt sehr gut, dann ist nämlich die Pflege sehr viel einfacher…“, woraufhin der Arzt erwiderte: „Ich fürchte nicht nur das, irgendwann…“. Zu der Zeit war ich nicht mehr ein kleines Mädchen, sondern fast auf dem Weg eine junge Frau zu werden. Ich musste jedes Mal schmunzeln, wenn mein Orthopäde solche Sprüche gebracht hat und meine Mutter damit ein wenig irritierte. Sie hat es nämlich schon immer ausgeschlossen, dass ich irgendwann ein Sexualleben haben werde.

Wenn ich zurück denke, hat er mir oft vermittelt, dass aus mir eine attraktive junge Frau werden wird, aber irgendwie erinnere ich mich auch an ein immer dazugehöriges kleines „aber“. Er hat sich zum Beispiel dafür „entschuldigt“, weil nicht das gewünschte Ergebnis nach der OP erreicht wurde. „Ich hätte dich so gerne noch gerader bekommen.“, ist zum Beispiel ein Satz, der mich noch lange beschäftigt hat.

Ich bin schön, aber nicht gerade genug… war eine Message, die mich lang begleitet hat, wenn nicht sogar noch immer begleitet. Die Korrektur meiner Wirbelsäule ist ein immer wiederkehrendes Thema, weil mich Untersuchungen diesbezüglich bis an mein Lebensende begleiten werden. Vielleicht weil das ein so großes Thema, gerade am Anfang meines Lebens und somit auch innerhalb einer sehr prägsamen Zeit war, habe ich Hemmungen mich nackt zu zeigen…wobei sich das extrem verbessert hat.

.

Apropos nackt sein: als ich früher zur Toilette gegangen bin mit Bekannten oder Freunden von meinen Eltern, wurde mir oft gesagt: „Dein Zukünftiger – Katja – wird sehr glücklich über deinen Po sein!“. Einerseits war ich als Jugendliche sehr genervt von solchen Kommentaren, weil ich es zum Teil auch als übergriffig empfand. Andererseits hat es mir auch geschmeichelt, weil ich es wirklich häufig zu hören bekam. Heute fällt mir auf, dass es mein Lieblingskörperteil an mir ist. Vielleicht weil mein Po über die Jahre sehr viele Komplimente bekommen hat, aber natürlich in erster Linie, weil er mir selber sehr gut gefällt. Wenn man im Bereich der Pflege auf Assistenz angewiesen ist, ist man leider häufig den Kommentaren der Menschen ausgesetzt, die dir assistieren… so zu mindestens meine Erfahrungen. In der Familie bekam ich immer zu hören, dass ich eine Kopie meiner Tante sei. Meine Tante ist bekannt als eine wunderschöne Frau. „Du hast nicht nur ihr Gesicht, sondern auch ihre Figur. Das würde man deutlicher sehen, wenn deine Skoliose nicht wäre.“, sagte man mir. Und da war es wieder. Dieses: du bist schön, aber… Was sollte ich davon halten? Irgendwie habe ich mich über das Kompliment gefreut, aber es hat mich stark verunsichert und mir das Gefühl gegeben, dass irgendetwas an mir nicht ausreicht.

Ich muss sagen, dass ich selten aufgrund meiner Behinderung im Kindes- oder Jugendalter gehänselt wurde. Aber wenn dies der Fall war, dann hat es mich so richtig getroffen. „Bist du schwanger, oder warum hast du so einen dicken Bauch?“, wurde ich manchmal gefragt. Meine Mutter versuchte mich immer zu trösten, in dem sie erklärte, dass ich dafür nichts könnte und dass aufgrund der Skoliose sich meine Organe verschoben haben. Ich sollte mir aus den Kommentaren anderer nichts machen, aber zeitgleich sollte ich bei meiner Kleidung immer darauf achten, dass dieses „Manko“ kaschiert wird. Wahrscheinlich eher aus Schutz, um solche Situationen für mich zu vermeiden. Aber wenn man dem Kind mitgibt, eine bestimmte Körperstelle zu kaschieren, um eventuell nicht gehänselt zu werden, hilft es einem nicht dabei dazu zu stehen. Vielmehr verleiht es einem das Gefühl, dass da etwas ist, was mit dir nicht stimmt. So habe ich es jedenfalls empfunden… Als Teenie habe ich häufig davon geträumt oder mir gewünscht mich so oft, wie es nur geht unter das Messer zu legen, nur um so auszusehen, wie alle anderen Mädels in meinem Alter… Von dieser Fantasie habe ich mich längst gelöst. Wobei wenn ein heißer Typ neben mir auf dem Sofa im Wohnzimmer liegt, denke ich schon daran mich ganz schnell einer klitzekleinen OP zu unterziehen, um wenigstens ein bisschen mit seinem durchtrainierten Körper mithalten zu können. Nein, ich meine, viele Frauen haben doch in dieser Hinsicht Komplexe. Ich glaube es ist wichtig als Frau mit einer Behinderung sich von dem Gedanken zu lösen, dass die Behinderung den Körper unattraktiv macht. Jeder hat etwas an sich auszusetzen und manchmal steigern wir uns zu sehr in diese „Makel“ hinein und sehen wohl nur noch schwarz, so ist es jedenfalls bei mir.

Meine Körpererfahrungen bezüglich der Selbstbefriedigung waren sehr einfältig. Dennoch habe ich meinen Körper sehr früh auf diese Weise kennengelernt… Ich habe schnell herausgefunden, was ich tun muss, um einen Orgasmus zu bekommen. Allerdings blieben Berührungen von mir selbst komplett auf der Strecke, weil ich noch nie die Möglichkeit hatte mich am ganzen Körper selbst zu berühren. Das wirkte sich natürlich auf meine ersten sexuellen Erfahrungen aus. Fragen über Fragen beschäftigten mich, aber auch Sorgen begleiteten mich ein wenig. Wie wird es sich anfühlen, wenn ein Mann in mich eindringt? Schließlich konnte ich mich nie unten herum ertasten oder meine Finger in mich einführen. Hätte ich diese Möglichkeit gehabt, wäre ich vielleicht selbstsicherer bei meinen ersten sexuellen Erfahrungen gewesen…

Von Natur aus war ich ein faules Kind, daher hat mir das Toben nicht wirklich gefehlt. Wenn man mich in den Sandkasten setzen wollte, wollte ich lieber eine kleine Schüssel mit Sand auf meinem Fußbrett gestellt bekommen, um meine Füße in den Sand stecken zu können. Damit war ich schon überaus glücklich. Was mir allerdings aufgefallen war, dass die Kontakte meiner Eltern ein wenig gelitten haben, weil die wenigsten Freunde/Bekannte eine barrierefreie Wohnung hatten. In der Familie war das alles gar kein Problem. Es war selbstverständlich, dass ich hoch getragen werden musste. Menschen allerdings, die vorher keine Berührungen mit Menschen mit Behinderung hatten, waren eher gehemmt meine Eltern einzuladen, weil sie vielleicht glaubten, dass das ihnen Umstände bereiten würde. Ich würde nicht sagen, dass ich deshalb unter großen Schuldgefühlen litt, aber irgendwo tat es mir schon manchmal leid, dass meine Eltern weniger eingeladen wurden, weil ich eben im Rollstuhl sitze… Je älter ich wurde, desto eher waren meine Eltern unterwegs, weil ich zu Hause alleine bleiben konnte, dementsprechend erübrigte sich das Thema irgendwann.

Leider hatte ich das Los gezogen einen Familienangehörigen eine lange Zeit an meiner Seite zu haben, der absolut nicht mit meiner Behinderung zurecht kam. Ich würde dieser Person große Überforderung zuschreiben, die hin und wieder in körperlicher Gewalt ausartete, bei der ich natürlich den Kürzeren gezogen habe…der einzige Grund für diese „Aussetzer“ war mein „zu häufiges“ Rufen nachts, weil ich meine Liegeposition geändert haben wollte. Ganz schön traurig… ich weiß nicht, wie ich es euch erklären soll, aber gerade die Verbindung zwischen diesem Menschen und mir, bei der ich viel Demut und Schmerz erfahren musste, hat mich zu der Frau gemacht, die ich heute bin… So zerbrechlich und sensibel, wie ich hin und wieder sein kann, diese Lebenserfahrung hat mich stärker und selbstbewusster werden lassen. Manchmal wünschte ich mir, dass ich auf eine andere Weise gelernt hätte eine starke Persönlichkeit zu werden… Aber es ist, wie es ist und vielleicht mag es verrückt klingen, aber ich bin dankbar dafür, weil ich heute sagen kann, dass mich eigentlich nichts so leicht aus der Fassung bringt. Ich habe in dieser Beziehung gelernt, was ich mir selbst wert bin und wie ich behandelt werden möchte… Gewalt, Demut, Wertungen bezüglich meines Köpers und Schuldzuweisungen waren damals die ständigen Begleiter meiner Kinder- und Jugendzeit. Deshalb kann ich mein heutiges Leben in Freiheit in Köln umso mehr schätzen und genießen- sogar mit ausschließlich figurbetonter Kleidung 😉

Ich könnte noch so viel dazu erzählen, aber das würde hier den Rahmen sprengen.. Vielleicht gibt es ja irgendwann ein Buch von mir 😉

Ich verabschiede mich von euch bis zu meinem nächsten Artikel

Katja <3

Nur ich und meine Selbstbefriedigung!

 

Ich hatte vor kurzem einen Traum, der mir einfach nicht mehr aus dem Kopf geht.

Ich ging voller Vorfreude schlafen, denn am nächsten Tag hätte ich eigentlich ein Date gehabt, worauf ich mich schon sehr gefreut habe.

Mein Traum:

Ich saß im Schneidersitz mitten in einer Stadt, um mich herum waren Wolkenkratzer und der Himmel war strahlend blau. Ich saß dort und genoss die Sonne. Plötzlich sprach eine Stimme aus dem Himmel zu mir und sagte:

Warum tust du’s schon wieder? Du hast doch seinetwegen eigentlich ein schlechtes Gefühl und warum hörst du so selten auf dein Gefühl? Bisher haben dich deine Dates nur enttäuscht. Tu dir etwas Gutes. Hör auf dich an den Gedanken zu klammern, dass du unbedingt einen Mann an deiner Seite brauchst. Schau dich an: du bist schön, intelligent und kommst sehr gut alleine zurecht! Du weißt es ganz genau und du benötigst keinen Mann, der dir das bestätigen muss. Das einzige was dir fehlt, ist das Körperliche. Da du jedoch nicht in der Lage bist Gefühle und Sex zu trennen, musst du einen Weg finden dich selbst zu befriedigen.

Denkt dran: Du brauchst nur dich und deine Selbstbefriedigung!

 

Ich kann mich selten an meine Träume wieder erinnern, aber dieser Traum blieb mir im Gedächtnis. Ich bin aufgewacht und konnte mich vor Lachen nicht mehr einkriegen. Ich schaute meine beste Freundin an, die gegenüber von mir auf dem Schlafsofa lag und erzählte ihr lachend von diesem Traum. Ich fand ihn erstmal ein wenig absurd. Hat Gott im Traum mit mir gesprochen?

Obwohl mir der Traum so lächerlich vorkam, beschäftigt er mich bis heute.

Meine beste Freundin und ich haben wahrscheinlich richtig festgestellt, dass es nicht Gott war, der zu mir sprach, sondern ich. Sie meinte, es klingt sehr nach mir!

Die Stimme von oben hat im Grunde genau das gesagt, was ich mir die ganze Zeit denke.

Nur ist es nicht so einfach.

Seitdem ich Single bin, habe ich niemanden, der mich regelmäßig sexuell befriedigt. Damit ist das Thema Selbstbefriedigung enorm in den Vordergrund gerückt. Gedanklich zumindestens.

Es ist mir möglich mich selbst zu befriedigen, allerdings wird es immer schwieriger. Es ist mir jedoch nicht in der Form möglich, wie es bei den meisten der Fall ist. Ich kann mich nämlich nicht mit meinen Händen selbst befriedigen und kann mir auch kein Sexspielzeug unten herum hinhalten.

Ihr fragt euch sicher, wie ich es dann mache?!

Ich entschied mich nicht darüber zu schreiben, zumindestens nicht in diesem Rahmen hier. Ich verrate nur so viel, dass vieles im Kopf stattfindet und meine Art mich zu stimulieren, mir immer schwerer fällt und es mittlerweile dazu führt, dass ich mich selbst immer seltener befriedige. Dieser Fakt oder diese Umstände tragen nicht wirklich zu meiner Ausgeglichenheit bei 😀

Aber Spaß beiseite! Es ist echt hart und nimmt mich emotional momentan sehr mit!

Ich sprach gestern mit einer anderen Freundin noch über meinen Traum und sagte ihr, dass ich mich nun intensiver mit meiner Selbstbefriedigung auseinandersetzen möchte. Sie riet mir mich im Sexshop beraten zu lassen, was es alles an Sexspielzeugen gibt, die ich eventuell doch selbst benutzen könnte. Daran habe ich natürlich schon gedacht, aber alles, was es so gibt, werde ich niemals eigenständig benutzen können. Auch wenn ich einen Vibrator über mein Handy bedienen könnte, müsste mir dieser beispielsweise an meinen Kitzler gelegt werden. Allein der Gedanke daran ist mir sehr unangenehm.

Meine Freundin meinte, dass mir auf keinen Fall irgendwas peinlich sein sollte, denn jeder befriedigt sich. Auch das ist mir bewusst.

Meine Assistenten sehen mich jeden Dienst nackt; fällt meine Periode an, führen Sie mir ein Tampon ein oder wenn ich mal wieder eine Milchsäurebakterien-Kur machen möchte, führen Sie mir auch die Kapseln ein ohne dass das irgendein Problem darstellt; sie waschen mich im Intimbereich, rasieren mich im Intimbereich… all das stellt für mich kein Problem dar.

„Ich verstehe, es geht deine Assistenten natürlich nichts an. Aber was ist, wenn du dir jemanden suchst, der darauf steht dir bei der Selbstbefriedigung zu helfen?“, fragte mich meine Freundin.

„Dann kann ich auch wieder irgendwelche Fuckboys daten, die das liebend gerne übernehmen würden. Aber ich möchte für einen Mann nicht mehr nur ein Objekt sein, an dem man sich lediglich aufgeilt und/oder befriedigt.“, erwiderte ich.

Zudem gibt es etwas, was mir kein Mann dieser Welt geben kann – meine Selbsterfahrung. Das muss ich wohl selbst in die Hand nehmen und einen Weg dafür finden.

Selbstbefriedigung, es ist eigentlich etwas, was ich am liebsten nur mit mir selbst ausmachen möchte. Es ist für mich etwas Intimes und sehr Privates. Wenn ich daran denke, dass meine Assistentin das Sexspielzeug nur passend legt und mich dann alleine lässt, fühle ich mich damit nicht wohl. Natürlich spielt es eine Rolle, dass ich mich frage – obwohl meine Assistentin mir bestätigt, dass sie damit kein Problem hat – ob ich ihr nicht doch, mit dieser Bitte zu nahe trete. Des weiteren überschreite damit auch ich meine Grenzen. Ich fühle mich dabei einfach nicht wohl. Es ist ein Problem, dass ich nur mit mir alleine habe. Woran das liegt, kann ich mir momentan selbst nicht erklären. Wahrscheinlich hinterlassen ich hier in meinem Blog einen sehr offenen Eindruck und ich würde mich auch selbst so beschreiben, aber meine Offenheit hat in mancher Hinsicht noch ihre Grenzen. Vielleicht liegt es auch an meiner konservativen Erziehung… Ich weiß es nicht.

Ich weiß nur, dass ich mich nun damit auseinandersetzen muss. Denn manchmal ist es ganz schön unerträglich für mich. Gestern bei dem Gespräch habe ich sehr geweint, weil mir noch mal bewusst wurde, dass immer nur andere Menschen meinen Körper überall angefasst haben… seien es meine Assistenten aufgrund der Pflege oder eben Männer, mit denen ich etwas hatte, mit denen ich sehr schöne Erfahrungen gemacht habe, aber nie habe ich mich selbst wirklich angefasst. Das muss und will ich dringend ändern.

Die starke Vernachlässigung meiner Selbstbefriedigung hatte fatale Folgen, kann ich nur rückblickend sagen… Doch das verrate ich euch in meinem nächsten Beitrag 😉

Und nun heißt es für mich, mich erstmal auf eine Reise zu begeben, in der ich meine Einstellung zu meiner Selbstbefriedigung hinterfragen und reflektieren muss… Und ich will nach Lösungswegen suchen. Ich möchte mich öffnen können, ich kann mir wahrscheinlich gar nicht richtig vorstellen, welch eine Welt mir das eröffnen wird…

Eure

Katja

Und wer ist dein Vorbild?

                                

 

Habt ihr auch einen Menschen in eurem Leben, zu dem ihr aufschaut? Der Mensch, vor dem ihr den größten Respekt habt? Dieser Mensch, der euer Leben unheimlich geprägt hat und zwar im positiven Sinne?

Ich habe das große Glück und die Ehre solch einen Menschen kennengelernt zu haben!

Mein Vorbild:

Du, du warst erst 17 Jahre alt, als du in einem fremden Land nochmal neu anfangen wolltest, um dort studieren zu können… Doch nichts lief nach Plan, stattdessen verliebtest du dich und wurdest ungewollt schwanger. Dein Prinz, erwies sich leider im Nachhinein nicht als dein Traumprinz. Dennoch bist du bei ihm geblieben, um gemeinsam mit ihm den kleinen Wurm, den du erwartet hast, großzuziehen. Das Wort „gemeinsam“, verschönert deine Situation eigentlich nur. Im Grunde stellte sich schnell heraus, dass das kommende Kind ganz allein zu deinem eigenen Projekt werden würde.

Dieser Wurm, kann sich heute leider nicht mehr daran erinnern, wie es in deinem Bauch war, aber ich bin mir sicher, dass er gespürt hat, wie sehr du dich auf ihn gefreut hast. Du hattest im Gefühl, dass irgendwas mit der Schwangerschaft nicht in Ordnung schien. Du warst besorgt und bist darum ständig beim Arzt gewesen, weil du dein Baby im Bauch nicht spüren konntest…wie es sich zum Beispiel bewegt hat, so wie es eigentlich bei allen anderen Müttern der Fall war. Doch jedes Mal versicherten dir die Ärzte, dass alles in Ordnung sei. Jedes Mal wenn du mir erzählst, wie die Geburt verlief, bekomme ich Gänsehaut und ich hätte dir so sehr gewünscht, dass es anders gelaufen wäre. Ja, einfühlsame Ärzte und Krankenpfleger gab es leider nicht in Kirgistan… 😀 Du hast dennoch alles gemeistert. Wie soll es auch anders sein?

Nun war dein Kind da und du warst eigentlich ganz auf dich allein gestellt. Deine Sorgen, die du während deiner Schwangerschaft hattest, erübrigten sich leider nicht. Dein kleines Kind hat sich körperlich einfach nicht altersgemäß entwickelt. Wie oft du immer wieder beim Arzt warst und jedes Mal weggeschickt wurdest, bis eben zu dem zweiten Lebensjahr deines Kindes.

Du warst im Krankenhaus und die Ärztin schaute dich an und sagte: „Ihre Tochter hat ganz sicher spinale Muskelatrophie.“ Es wurden Tests gemacht und als sich die Diagnose auch bewahrheitet hat, brach für dich eine Welt zusammen. Es bedeutete, dass deine Tochter nie laufen würde und wenn überhaupt nur das sechste Lebensjahr erreichen wird. Ganz schön hart! Und du warst doch selbst erst noch ein Kind.

So viele Menschen haben versucht dich zu überreden dein Mädchen abzugeben, in ein Heim für Kinder mit Behinderung, um neu anzufangen…schließlich hattest du noch dein ganzes Leben vor dir. Du warst am Boden zerstört, hast nur noch geweint, bekamst Haarausfall ohne Ende und wusstest einfach nicht wie es weitergehen soll. Die medizinische Versorgung war eigentlich gar nicht gegeben, weil die Diagnose auch viel zu „speziell“ war. Du wolltest es nicht wahrhaben und verkauftest deine wertvollsten Sachen, weil es Menschen gab, die dir geschworen haben deinem Kind mit Hilfe von irgendwelchen Therapien doch noch helfen zu können. Du hast an jedem Strohhalm festgehalten…

Du erzähltest mir, dass es da eine Begegnung in der Klinik gab, die deine Einstellung zum Leben und vor allem zu dem deines Kindes verändert hat. Wie gesagt, du hast nur noch geweint und es gab da eine andere Mutter, die ebenfalls ein behindertes Kind hatte. Sie hat dich beobachtet und irgendwann hat sie es einfach nicht mehr ausgehalten. Sie setzte sich neben dich und meinte: „Jetzt höre aber auf zu heulen, das ist ja armselig, wie du dich gehen lässt. Siehst du diese Frau da vorne? Ein Junkie, sie hat ebenfalls ein behindertes Kind. Was hat dieser Junge für eine Zukunft? Was glaubst du? Sie hat noch nicht mal ihr eigenes Leben im Griff. Wie soll sie dann für diesen Jungen sorgen? Ich will gar nicht daran denken, was aus ihm wird. Du bist jung und ja es ist schrecklich, aber du kannst es nicht ändern. Du kannst nur das Beste daraus machen und für deine Tochter da sein. Ihr ein schönes Leben ermöglichen, aber dafür musst du dich zusammenreißen. Also reiß dich verdammt noch mal zusammen!“

Du warst so sauer. Wie konnte sie nur kein Verständnis für dich aufbringen?

Also hast du weiter geweint und dich selbst bemitleidet, bis es dich selbst angewidert hat. Und in dieser Situation erkenne ich mich so sehr in dir wieder. Ja, ich bin es. Dieser kleine Wurm von dem ich die ganze Zeit schreibe, bin ich. Ich würde mich als Glückspilz bezeichnen, weil ich dich als meine Mutter habe. Ständig kritisierst du dich selbst, weil du angeblich so viel falsch gemacht hast. Hör auf damit! Du hast so viel richtig gemacht und das vergisst du wohl.

Ich möchte dich daran erinnern, was es ist.

Du hattest kein Kontakt zu anderen Eltern, die ebenfalls ein Kind mit einer spinalen Muskelatrophie hatten. Mensch, bin ich froh darüber! Du hast einfach dein eigenes Ding durchgezogen und das getan, was du für richtig gehalten hast.

Ich kann mich noch daran erinnern, wie du meine kleinen Füße auf deine Füße gestellt hast und mich an den Armen festgehalten hast, um mir zu zeigen wie es ist, zu laufen. Aufgrund meiner Skoliose musste ich nur liegen, weil diese sich ansonsten verschlimmert hätte. Ich denke, dass du mit diesen Laufübungen mir die Welt aus einer anderen Perspektive zeigen wolltest, eben nicht nur aus der liegenden. Ich liebe dich dafür!

Ich kann mich noch genau daran erinnern, dass du mir mein ganzes Leben eingetrichtert hast, dass ich sowohl klug als auch hübsch sein muss! Die Tussi in mir, habe ich nur dir zu verdanken. Ich habe jeden Trend mitgemacht. Du hast mich in die engsten Hosen gesteckt. Die Pfleger in meiner Schule haben dich immer darauf hingewiesen, dass meine Kleidung unpraktisch sei und vielleicht auch unvorteilhaft für eine Rollstuhlfahrerin. Zum Beispiel die Hüfthosen, die ich über alles geliebt habe. Mein Po ließ sich natürlich mit diesen Hosen im Sitzen nicht komplett verdecken, aber dafür musste ich eben längere Oberteile tragen. Und du weißt wie penibel ich darauf achte, dass ich kein Bauern-Dekolleté zeige! Auf den Rat der Pfleger hast du immer wieder erwidert, dass du deine Tochter nicht praktisch erziehst. Auch wenn es bei Toilettengängen länger gedauert hat mich anzuziehen, hast du mich nie in ein Zelt gezwungen.

Mama: „Meine Tochter wird nicht praktisch, sondern modisch erzogen.“ Ich liebe dich so sehr dafür (übrigens bin ich dir immer noch dankbar, dass du mir verboten hast Buffalo-Schuhe zu tragen)!

23 Jahre hast du die Pflege alleine gemanagt. Ich hatte Mitleid mit dir, weil es für dich zum Teil körperlich anstrengend war. Ich weiß noch, dass ich dir gesagt habe, dass ich für dich Schutzhosen tragen würde, um dir ein paar Toilettengänge mit mir zu ersparen. Du sagtest mir: „Seit wann bringt deine Behinderung auch noch eine Inkontinenz mit sich? Und wer nicht inkontinent ist, der trägt für gewöhnlich keine Schutzhosen. Ich lehne dein Angebot ab, junge Dame!“ Auch dafür liebe ich dich über alles!

Eine Situation hat sich ganz doll in meinen Kopf eingebrannt. Es war einer dieser Tage, in dem ich mich mal wieder selbst bemitleidet habe. Ich muss gerade beim Diktieren dieses Satzes über mich selbst lachen. Jedenfalls stand ich vor dir und weinte, wie ein Baby und sagte zu dir: „Ich bin so behindert, nichts kann ich wie Andere. Noch nicht einmal dieses Mäppchen kann ich eigenständig heben.“, und versuchte dabei mit Mühe und Not mein Schulmäppchen zu heben. Du schautest mich böse an und sagtest: „Und jetzt?“. Ich heulte daraufhin noch lauter und düste in mein Zimmer. Von dort aus, hörte ich dich schluchzen. Du hast geweint, Mama, aber du hast es mir in solchen Momenten nicht gezeigt. Du sagtest mir mal, dass du in dieser Situation hättest liebevoller reagieren müssen. Ich halte es jedoch für die richtige Reaktion, du hast mir damit zu verstehen gegeben, dass ich mich selbst so akzeptieren muss wie ich nun mal bin und dazu gehört eben auch meine Behinderung. Es gibt Tage, in denen ich in Selbstmitleid verfalle, aber das dauert nie länger als zwei oder drei Tage, weil ich mich selbst dann nicht mehr im Spiegel ansehen kann. Was bringt es auch? Du hast mich gelehrt mich zusammen zu reißen, unabhängig davon ob es nun gerade um meine Behinderung geht oder eben um etwas Anderes. Wobei, mich aufgrund meiner Behinderung zu bemitleiden, habe ich eigentlich aufgegeben. Und das habe ich nur dir zu verdanken! Ich liebe dich auch dafür!

Ich liebe unsere Verbindung ohne miteinander gesprochen zu haben, wissen wir häufig wie es dem anderen geht. Ich brauche nur ein „Hallo“ am Telefon zu sagen und du erkennst schon am Tonfall, was bei mir los ist. Letztens fragtest du mich direkt, welcher Kerl mir diesmal meine Laune verdorben hat. Verrückt, ist aber so!

Ich möchte dir auf diesem Wege einfach nur danke sagen. Ständig wirfst du mir vor, ich würde mich zu selten bei dir melden, wahrscheinlich weil ich kaum an dich denken würde. Ja, du hast eine treulose Tochter, aber sei dir gewiss, ich denke jeden Tag an dich!

Ich habe dir zu verdanken, was aus mir geworden ist. Eine starke junge Frau, die davon überzeugt ist, dass es nichts im Leben gibt, was nicht machbar ist. Ich muss nur den Willen haben und alles andere fügt sich. Danke dafür!

Du bist mein größtes Vorbild und ich habe den größten Respekt vor dir. Ich bin dir sehr dankbar dafür, dass du mir das Leben geschenkt hast und mir gezeigt hast, dass ich gar kein anderes will…auch wenn es immer wieder Menschen gibt, die das anders sehen. Über die lachen wir dann gemeinsam. Es geht nicht darum, was du im Leben falsch gemacht hast. Außerdem, was ist falsch? Menschen handeln und reagieren aus Emotionen heraus, dass ist nur menschlich. Ich denke, du weißt was ich damit andeuten möchte. Was für mich zählt, ist das Gesamtbild und du hast es gerockt! Und das obwohl du 17 warst, als du vor der Entscheidung standest und du hast dich für mich entschieden. Nicht nur das, meine Würde zu bewahren, spielte eine große Rolle in deiner Erziehung. Ich liebe dich vor allem dafür, du hast mich nämlich zu einer Frau erzogen!

Ich möchte an dieser Stelle nicht andere Eltern kritisieren, die vielleicht anders gehandelt haben als meine Mutter, aber für mich ist es absolut das Richtige gewesen. Sollte ich dir irgendwann Enkelkinder schenken, würde ich sie genauso erziehen 😉

Am liebsten würde ich dich nun der ganzen Welt zeigen, um zu zeigen wie schön du bist, sowohl innen als auch außen. Du bist schön!

Deine Tochter 🙂

Bye bye, bye bye, meine Liebe des Lebens…

                                          18361850_1302325223169596_759531395_o

Ihr Lieben,

ich danke euch allen für die Zuschriften, die ich von euch bekomme und die Nachfragen, wie es mir geht und was bei mir denn jetzt so los sei, da ich immer mal wieder längere Zeit hier in meinem Blog nichts von mir hören lasse… Leider habe ich nicht die Zeit jedem einzelnen zu antworten, darum mache ich es jetzt auf diesem Wege. Dass ich hier nichts Neues blogge, liegt natürlich auch irgendwie daran, dass mein Leben relativ unspektakulär verläuft und es eigentlich auch nichts Neues zu berichten gibt.

Meinen Traumprinzen habe ich natürlich immer noch nicht kennengelernt 😀

Ich hatte bislang wirklich katastrophale Dates, aber auch welche, die wunderschön waren 🙂

Entweder ich erwische Typen, die ich nicht mehr los werde, weil ich Ihnen so gut gefalle, aber sie mir leider nicht oder die Typen gefallen mir, aber haben dann an mir kein Interesse. That’s life!

An den einen denke ich sehr gerne zurück. Ich mochte seine unbefangene Art. Er erzählte mir, dass er bisher keinerlei Berührungspunkte mit Menschen mit Behinderung hatte und dennoch war er vollkommen frei in seinem Verhalten mir gegenüber. Er hat nicht großartig darüber nachgedacht, ob er eventuell was falsch machen könnte oder Ähnliches… Wir waren in dieser Nacht ein fast eingespieltes Team, obwohl wir uns absolut nicht kannten. Irgendwie mag ich Menschen, die nicht viel nachdenken, sondern eher den Moment genießen können. Leider war auch er vergeben 😀

Ein Treffen mit meiner Freundin fasst so ziemlich gut zusammen, was in meinem Liebesleben zur Zeit los ist. Ich erzählte ihr, woran meine letzten Dates gescheitert sind…

Wie gesagt, entweder sie gefallen mir nicht oder sind vergeben, verheiratet. Von dieser Sorte gibt es übrigens einige und leider erfährt man dies nicht direkt. Dann gibt es Männer, die der Meinung sind, dass eine Frau, die ganz offen mit ihrer Sexualität umgeht, nichts für immer sei… Warum auch immer. Versteh ich auch nicht! Wieder andere haben Angst davor in meinem Blog vorzukommen, weil sie eventuell nicht so gut wegkommen könnten… Diese haben dann aber auch nicht verstanden, worum es mir bei diesem Blog geht. Es ist nicht mein Ziel über jedes einzelne Date zu schreiben, sondern nur über die Situation, in denen ich an meine Grenzen gerate und von denen ich glaube, dass sie für den Inklusionsgedanken in Bezug auf das Thema Liebe, Sexualität und Behinderung eine Rolle spielen.

Oder sie hängen eben immer noch an ihrer Ex. Die eine besagte Freundin sagt dann jedoch immer zu mir: „Reiß dich gefälligst zusammen, Katja. Mein Gott, der Typ steht einfach nicht auf dich!“

Und dann gibt es die Männer, die… und hier kommen wir zum Übel des Kerns… mit meiner Behinderung nicht zurecht kommen. „Du bist eine wirklich wundervolle Frau, aber ich weiß nicht, ob ich mit deiner Behinderung klarkomme und allem was dazu gehört.“, als ich meiner Freundin diesen Satz zitierte, sagte sie: „Nicht deren ernst, oder? Das nächste Mal würde ich dir empfehlen ganz traurig zu gucken oder eben auch verzweifelt und denen dann zu sagen: ‚Puuh, das frage ich mich auch jeden Morgen. Wie mach ich das heute wieder?? Ich und meine Behinderung, wir zwei ganz alleine, wie nur?’“… Ich musste einfach so lachen, weil ich mir dieses Szenario vorgestellt habe.

Aber jetzt mal im Ernst. Was bedeutet das für mich genau und für den Menschen, der neu in mein Leben tritt? Unabhängig davon, in welcher Beziehung wir zueinander stehen werden.

Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich auf einem anderen Planeten lebe, im Gegensatz zu meinen Mitmenschen… Wenn ich Menschen neu kennenlerne, sind sie häufig unheimlich verunsichert. Sie wissen nicht, wie sie mich begrüßen sollen, ob sie etwas falsch machen könnten… Ob sie mir sogar vielleicht wehtun könnten, wenn sie mich anfassen… Warum eigentlich zur Hölle? 😀 Ja, und manchmal ist die Unsicherheit sogar so groß, dass ich glaube, dass sie den Kontakt zu mir meiden.

Oft habe ich das Gefühl, dass ich mehr auf die Menschen zugehen muss, um solche Sorgen eben demjenigen zu nehmen. Im Bezug auf Freundschaften habe ich absolut kein Problem damit. Wenn ich jedoch einen Mann date, fällt mir das doch sehr schwer, weil ich eben auch sehr schüchtern werden kann, wenn der Typ mir sehr gut gefällt. Und eine schüchterne Katja und ein verunsicherter Typ, ist erfahrungsgemäß keine gute Kombi 😀 By the way, vor lauter Aufregung gebe ich den größten Müll von mir, bei meinen Dates. Mein letztes Date fragte mich zum Beispiel, ob ich auch fliegen könnte. Ich schaute ihn daraufhin sehr verdutzt an und sagte: “Ich kann doch noch nicht einmal laufen, wie sollte ich denn fliegen können?“. Er schaute mich ein wenig irritiert an und meinte: “Äh, wie jeder andere normale Mensch auch, mit dem Flugzeug?“… Leute, ich wäre am liebsten in Grund und Boden versunken. Jedenfalls, wurde aus uns auch nichts. Vielleicht lag es auch daran!? Als ich dieses Beispiel einer meiner Assistentinnen nannte, konnte sie sich vor Lachen nicht mehr beruhigen und sagte, dass das doch einfach ich sei und meinte noch: „Taugte der Typ überhaupt was? Ich denke es lag an ihm.Wie immer.Und vielleicht auch ein bisschen daran, dass du nicht fliegen kannst, wie Karlsson vom Dach.“ 🙂

Whatever, die erste Phase des Kennenlernens ist manchmal ganz schön schwierig, und kann auch für mich sehr unangenehm sein. Wenn es zum Beispiel darum geht, sich zu verabreden, muss ich dem/derjenigen sagen, dass ich entweder zum Teil meine Assistenz dabei haben werde oder meine Verabredung muss mir eben meine Jacke an- und wieder ausziehen, mir das Essen anreichen, mein Getränk hoch halten… Je nachdem, was man natürlich so vor hat. Früher war mir das richtig unangenehm. Heute denke ich mir, das gehört zu mir und die Menschen, die mich umgeben, haben absolut kein Problem damit.. Auch wenn die Hand bei der ersten Verabredung beim Essen Anreichen, zitterte… und auch wenn alle anderen Handgriffe ebenfalls ein wenig wackelten, läuft es doch heute perfekt. Ich muss immer wieder schmunzeln, wenn meine Assistenz mit im Zimmer ist und eine Freundin oder ein Kumpel mich gerade besucht, sind es doch meine Freunde, die mir sofort assistieren, wenn ich um etwas bitte… weil es für sie mittlerweile selbstverständlich geworden ist und sie bevorzugen eindeutig die gemeinsame Zeit mit mir alleine zu verbringen, auch wenn das bedeutet, dass sie mir assistieren. Letztens musste ich innerlich ebenfalls schmunzeln, weil ich eine Freundin habe, die absolut kein Bock auf Pflege hat, mit mir auf ein Festival möchte und von sich aus gesagt hat, dass wir die Toilettengänge jetzt üben müssten, damit wir uns ordentlich betrinken können. <3 I love u, Darling! Was ich hiermit sagen möchte ist, dass alles möglich ist, wenn man sich unheimlich gern hat. Ich bin davon überzeugt, dass sich das auch auf eine Partnerschaft übertragen lässt. Im Grunde ist eine Beziehung ja auch nichts anderes als eine tiefgehende Freundschaft mit der sexuellen Komponente eben. Man muss auf jeden Fall absprechen, was für den Partner in Ordnung ist zu übernehmen und was eben auch für mich in Ordnung ist, dass mein Partner dieses und jenes übernimmt. Aber bisher hat es ja noch keinem Paar geschadet miteinander zu reden, ganz im Gegenteil 😉

Wenn ein Mann sich mit mir trifft und er hatte bisher absolut keine Berührungspunkte mit der Thematik Behinderung, habe ich absolut Verständnis dafür, dass er unheimlich viele Fragen hat, weil es eben etwas komplett Neues für ihn ist.

Ich wünschte, ich könnte eine Tonaufnahme von allen Typen hier online stellen, weil man dann feststellen würde, dass das immer wieder exakt dieselben Unsicherheiten sind, die die Männer haben: „das Leben mit Assistenz, ich weiß nicht ob ich damit zurecht komme…“, “ ich weiß einfach nicht, an welcher Stelle ich dir zu viel helfen würde oder wann zu wenig…“, „ich lebe ja gar nicht barrierefrei, somit könntest du mich nicht besuchen…“. Ach, zu dem letzten Punkt schrieb meine Freundin übrigens letztens: „Ja Katja, ich habe anfangs auch gezweifelt, ob ich dich näher kennenlernen soll. Ich hatte Sorge, dass das mit einer Freundschaft nicht klappt, wegen deiner Behinderung. Du kannst mich ja nie besuchen… Einfach alles. Ich hatte Sorge, dich zu verletzen. Aber zum Glück haben wir uns ja verstanden. Wie absurd ist das!?“ Ich liebe ihre Kommentare, worüber ich in dem einen Moment super traurig war, belustigte es mich in der anderen Sekunde und ich wechsel meine Perspektive.

Ich weiß noch, wie hart es mich damals als Jugendliche getroffen hat, wenn der Typ mich aufgrund meiner Behinderung nicht haben wollte.

Aber irgendwann hatte ich es satt zu glauben, dass ich dem Typen deshalb nicht ausreiche und mich für etwas schlecht zu fühlen, für das ich nichts kann… meine Behinderung. Ich armes, kleines Ding übersah komplett, dass genau diese Typen MIR nicht ausreichten. Ich habe nämlich absolut keine Lust mehr darauf mich nur auf einen Bruchteil meiner Person reduzieren zu lassen. Klar, habe ich eine Behinderung und es ist mir super wichtig, dass die Menschen meine Behinderung nicht vergessen, weil sie eben auch zu mir gehört und mich vielleicht auch zu dem gemacht hat, die ich heute bin. Aber ich habe wesentlich mehr zu bieten als nur meine Behinderung, und wenn der Typ komplett nur meine Behinderung in den Vordergrund stellt, ist er es, den ich nicht haben will!

Ich habe es auch absolut nicht nötig, mir anhören zu müssen, dass er Probleme damit hätte, mich seiner Familie und Freunden vorzustellen. Wenn ich so etwas höre, frage ich mich echt, was in den Köpfen der Menschen vorgeht?

Im Großen und Ganzen fang ich doch an mein Singleleben so langsam zu genießen 🙂

Es gibt Tage, an denen ich mit einem fetten Grinsen vor dem Fenster sitze, weil mir in diesem Moment irgendwie noch mal bewusst wird, dass mir wieder alle Möglichkeiten offen stehen und ich einfach nur das tun kann, worauf ich Lust habe. Natürlich würde ich mich darüber freuen, wenn mein Traumprinz kommt und mein Herz erobert, aber ich finde es nicht mehr schlimm alleine zu sein, sondern sehe eher auch wieder die Vorzüge des Alleinseins.

Ich nehme auch Freundschaften wieder noch mal ganz anders wahr, genieße unheimlich die Zeit mit meinen Mädels 🙂

Letztens hatte ich noch eine interessante Begegnung. Auf dem Weg zum Junggesellenabschied einer anderen Freundin. Ich saß in meinem Schiebe-Rollstuhl und war super unglücklich darüber, weil ich eben auf viel mehr Assistenz dann angewiesen bin und mich mega unselbstständig fühle. Meine Sitzhaltung ist auch nicht gerade die sexieste in diesem Stuhl 😀 wie auch immer, auf jeden Fall saß ich in der Bahn, schaute an einer Haltestelle aus dem Fenster und konnte meinen Augen einfach nicht trauen, weil zu dem Zeitpunkt ein unheimlich attraktiver junger Mann einstieg. Als ich, wie gesagt, aus dem Fenster schaute, trafen sich direkt unsere Blicke, er lächelte mich an und zwinkerte mir zu. Als er in die Bahn kam, begrüßte er mich und setzte sich einen Sitz von mir entfernt neben mich. Ich konnte mich leider nicht umdrehen, um mit ihm Blickkontakt zu halten… Ich saß ja in meinem schäbigen Rollstuhl 😀 mein verkorkste Kopf spielte natürlich auch direkt das Lied von Cro ab:

„Doch dann sieht sie diesen Typ
Findet ihn süß
Setzt sich extra zu ihm hin und denkt sich
Bitte, bitte, bitte, bitte komm
Sprich mich an
Es ist ganz egal, was du jetzt sagen würdest
Ich spring darauf an
Also komm (komm)
Du bist mein Mann (Mann)
Wir gehören zusammen (sammen)
Wenn nicht jetzt, wann (dann)?
Ich hör mein Herz, Bamm!“

Ich musste innerlich lachen, ärgerte mich auch zugleich, weil ich eben nicht in der Lage war mit ihm zu flirten… Ich musste leider auch die nächste Haltestelle schon wieder raus und hatte nichts zum Schreiben dabei. Meine Assistentin musste mich rückwärts rausschieben, daher konnte ich ihn noch mal sehen. Er schaute irgendwie leicht verunsichert, lächelte mich aber wieder an und zwinkerte, sagte mir noch „Tschüss“ und mein Kopf spielte weiter:

„Bye bye, bye bye meine Liebe des Lebens
Und ja, wir beide werden uns nie wieder sehen
Kann schon sein, dass man sich im Leben zweimal begegnet
doch es beim zweiten Mal dann einfach zu spät ist“

Ärgerlich, ich sag es euch, vor allem als meine Assistentin mir dann auch noch am Aufzug gesagt hat, dass er mich die ganze Zeit angeschaut hat 😀

Ich musste immer mal wieder an diese Begegnung denken und irgendwie sind auch die unerwarteten Begegnungen die schönsten, oder? Generell habe ich immer das Gefühl, dass mir die Männer, die ich zum Beispiel beim Feiern kennenlerne, mir viel offener gegenübertreten. Die virtuelle Dating-Welt ist wohl einfach nichts für mich. Tinder werde ich jetzt höchstens nur noch als Fingergymnastik nutzen, damit meine Muskulatur in den Fingern natürlich nicht erschlafft 😛

Eine Assistentin hat mir mal geraten folgende Hose demnächst ständig zu tragen, um eben die Liebe herauf zu beschwören. Vielleicht fahre ich sogar demnächst in dieser Hose Bahn, in der Hoffnung, dass ich meinen Traummann dort noch einmal begegne:

                                                                        18362064_1302324889836296_296224553_o

Nein, jetzt im Ernst. Ich saß letztens in dem Theaterstück: „Haltung, bitte.“ …eine Tanzperformance mit und von Dorisdean. In diesem Stück erzählte eine Darstellerin, dass sie in ihrem Leben viele Rückschläge und Enttäuschungen einbüßen musste und irgendwann entwickelte sie auch den Glauben daran, dass man Rückschläge und Enttäuschungen nicht erlebt, weil irgendwas an einem nicht stimmt, sondern vielmehr, weil etwas viel Größeres und Schöneres auf dich und mich da draußen wartet. Darum, Geduld! Auch wenn es für mich jetzt in Bezug auf die Liebe bedeuten würde, dass ich noch 1000000000000000000 Frösche küssen muss 🙂

Es tat gut, mit meiner Freundin mal wieder über Männer zu lästern. Als sie dann ging, bat ich sie, mich zu umarmen. Woraufhin sie zu mir sagte: „Wieso sollte ich dich umarmen, wenn du mich doch nicht zurückumarmen kannst?“ Und hier wurde mir noch einmal klar, dass ich meine Lieben so sehr schätze, weil sie meine Behinderung absolut nicht ernst nehmen. 😉

                                                                     18379022_1302324783169640_42184162_o

Eure

Katja

Inzestliebe!?

 

                                      15502709_1167936926608427_737212796_o

Vor ein paar Wochen beschloss ich mich von allen Singlebörsen zu trennen, um mich einfach nur auf mich selbst zu konzentrieren… Was will ich überhaupt? Was ist mir nun wichtig?

Ich habe eigentlich noch gar nicht so richtig meine letzte Beziehung verarbeitet und stürzte mich von einem Chaos ins andere und darauf hatte ich eben keine Lust mehr… Dachte ich zumindestens.

Obwohl ich mich überall abgemeldet habe, schrieb mich diesmal über Facebook (über meinen privaten Account und nicht über die Bloggerseite) ein junger Mann an. Ich dachte mir nur: das gibt es doch gar nicht! Ich hatte ein Klogriff nach dem anderen bezüglich meiner Männerwahl und nun habe ich mich schon überall abgemeldet, sitze nur an den Hausarbeiten für meine Uni zu Hause, hab dementsprechend absolut gar keine Chance irgendeinen neuen Mann kennen zu lernen und siehe da, es war wieder einer aktuell.

Ich hatte an dem Tag Freunde und Familie zu Besuch, war genervt und als ich seine Nachricht las, dachte ich mir nur: Bitte nicht noch ein Arschloch! Darum wimmelte ich ihn eigentlich auch schnell ab, indem ich ihm sagte, dass er absolut nicht mein Typ sei. Das war natürlich gelogen, ich fand ihn mega attraktiv. Aber unterstellte ihm eben in meiner Welt auch nur ein Schwanz zu sein, wie jeder andere auch. Meine Freundin nennt Männer nämlich nicht mehr Männer, sondern Schwänze 😀

Scherz beiseite. Als ich dann eine einsame Stunde hatte, musste ich wieder an ihn denken und schaute mir nochmal seine Profilbilder an. Und da kam auch wieder mein Sinneswandel, schließlich kann ich ja nicht jedem Mann von vornherein etwas Böswilliges unterstellen und davon ausgehen, dass alle Männer Schweine sind oder eben Schwänze. Also gab ich dem Ganzen eine Chance und schrieb ihn an. Mich wunderte zwar, dass er auf jedem Bild mit dem selben Mädchen zu sehen war, aber er sagte mir, dass es seine Cousine wäre. Ich habe ihm einfach geglaubt, weil ich auch schon häufiger bei Bildern mit meinem Bruder gefragt wurde, ob dies mein neuer Partner wäre. So abwegig fand ich die Erklärung also nicht. In der Wheelchair Couchsurfing Gruppe hat er mich entdeckt, ist dort nicht mehr angemeldet, aber er ist stiller Beobachter dieser Gruppe.

Er erzählte mir direkt am Anfang, dass er bereits eine Beziehung mit einer Frau mit meiner Behinderung geführt hat und dies als eine sehr schöne Erfahrung empfand und sich wieder eine Beziehung wünscht, vielleicht würde es ja zwischen uns passen, meinte er. Ich dachte mir erstmal: wow Junge, chill erstmal. Musste aber auch über mich schmunzeln, da man es mir anscheinend nicht recht machen kann. Auf einfach nur Sex habe ich keine Lust mehr und wenn der Typ von einer Beziehung spricht, dann fühlt es sich für mich auch beklemmend an. Aber wenn ich ganz tief in mich hineinhorche, dann wünsche ich mir doch eine ganz normale Beziehung.

Ich war froh, dass ich mich nochmal bei ihm gemeldet habe, vielleicht würde ja etwas wundervolles daraus entstehen… Ja und seitdem schrieben wir eigentlich jeden Tag von morgens bis abends miteinander. Ungefähr einen Monat lang haben wir Kontakt gehabt. Ich war und bin eigentlich immer noch mitten in meinem Unistress, aber er war eine sehr süße Ablenkung, die ich schon ein wenig genossen habe. Hier und da habe ich an ihm ein paar Mängel gefunden, habe allerdings gehofft, dass diese verschwinden, sobald wir uns persönlich gesehen haben. Wir haben uns über alles mögliche unterhalten, ich musste einfach so oft lachen… Er kommt leider aus einem anderen Bundesland und uns trennen 3 Stunden Autofahrt. Das erschwierigt natürlich das Ganze, meine Freundinnen verdrehten auch alle die Augen als sie das erfuhren, ich könnte mir doch schließlich einen in der Nähe suchen 😀 Stattdessen habe ich immer ein Händchen für Männer, die super weit weg wohnen.

Wir unterhielten uns über Freizeitaktivitäten; wie wir uns unsere Partner vorstellen; über seine Einstellung zu meinem Blog (so eine positive  haben nicht viele Männer), darüber was wir an unserem ersten Date unternehmen könnten… Malten uns alles genau aus, wie wir eventuell kuschelnd im Bett die Zeit verbringen würden, essen gehen und romantisch am Rhein spazieren.  Haben dann auch ein Wochenende festgelegt, an dem wir uns treffen wollten… Ich habe mir nur gedacht, wenn dieser Mann mir auch noch real gefällt, dann ist er ein absoluter Jackpot. Ich musste bei ihm keinerlei Erklärungsarbeit leisten, bezüglich meiner Behinderung… Das wurde mir auch ziemlich schnell klar, als er meinte, dass wir bei unserem ersten Date gemeinsam essen gehen können und er absolut kein Problem damit hätte mir das Essen anzureichen. Ich fand die Vorstellung etwas befremdlich, aber er hatte schon recht, ich möchte meine Assistentin nicht dabei haben und wenn er schon insgesamt 6 Stunden Fahrt auf sich nimmt, um mich zu treffen, dann würden wir wohl auch etwas länger Zeit miteinander verbringen und ums Essen nicht drumherum kommen, sofern natürlich alles passen würde, dachte ich mir.

Zudem dachte ich mir, dass sich für mich eventuell auch ganz neue Möglichkeiten eröffnen würden und das in vielerlei Hinsicht. Er mag es zu schwimmen und fragte mich daher irgendwann, ob ich auch gerne schwimme. Ich war das letzte Mal in der Grundschule schwimmen, hauptsächlich habe ich es bisher nicht mehr gemacht, weil es sehr viel Vertrauen bedarf, schließlich will ich ja nicht ertrinken 😀 Aber die Vorstellung von einem jungen und attraktiven Mann durchs Wasser getragen zu werden, fand ich sehr schön. Wir sprachen darüber, wie ich denn dazu stehen würde, wenn der Partner gewisse Pflegetätigkeiten übernimmt, um sich einfach auch mal eine assistenzfreie Zeit zu ermöglichen und um sich freier in der eigenen Wohnung bewegen zu können. Ich habe diese Erfahrung ja bisher noch nicht gemacht und finde diese Vorstellung vielleicht auch ein wenig merkwürdig, weil ich in erster Linie möchte, dass mein Partner mich sexy findet und ich weiß nicht, ob Toilettengänge mein Sexappeal ein wenig beeinträchtigen würden 😀 Ich möchte das von meinem zukünftigen Partner nicht erwarten, aber ich kann mir doch vorstellen, dass man in diese Situation hineinwächst und die Dinge diesbezüglich in einer Beziehung dann doch anders betrachtet, vor allem eben um mehr Zweisamkeit genießen zu können.

Er war wirklich sehr aufmerksam und hat sich die banalsten Dinge gemerkt, die erfahrungsgemäß viele Männer übersehen oder einfach vergessen 😀 und ich liebe es ja, wenn Männer aufmerksam sind. Meistens habe ich an den Klamotten bei Männern etwas auszusetzen, aber auch das stimmte, was ich so von den Bildern erkennen konnte, kleidet er sich genau nach meinem Geschmack. Das ist selten der Fall! 😀 Generell ist er ein sehr attraktiver Kerl, hat einen, wie ich finde perfekten/sportlichen Körper (wahrscheinlich, weil er Fußballspieler ist und jeder, der mich kennt, weiß, dass ich wegen Christiano Ronaldo schon immer Spieler-Frau werden wollte 😀 ), wunderschöne Augen und entsprach einfach meinem Männlichkeitsbild… Wir haben viel geflirtert und es sind auch hin und wieder ein paar sexy Sätze gefallen und auch bei seinen Fantasien, die er so geäußert hat, hat er meine Möglichkeiten, die durch meine Behinderung bedingt sind, vollkommen berücksichtigt. Ich hätte ihm einfach nichts erklären müssen. Er hat mir unheimlich viel Aufmerksamkeit geschenkt, mir jeden Morgen einen guten Morgen gewünscht und mich gefragt wie ich geschlafen habe usw., das ganze Drum und Dran eben… Ich hatte schon die ganze Zeit den leisen Verdacht, dass er ein Amelo ist. Wenn das alles ein Amelo mitbringt, dann ist das doch super schön. Ich wollte ihn endlich kennenlernen und erfahren, wer sich hinter diesem sympathischen, charmanten Mann verbirgt. Fast hätte ich es vergessen, er ist sogar genau in meinem Alter. Meine letzten Dates waren nämlich um einiges älter 😀 Es war eigentlich alles perfekt! Verrückt!

Wir haben einen Monat miteinander geschrieben und ich hatte in diesem Zeitraum eigentlich absolut keine Zeit für irgendwelche Treffen oder Telefonate, weil ich mit meiner Freundin hier quasi zusammengezogenen bin, um an unseren Projekten für die Uni zu arbeiten. Der Typ und ich haben uns einmal zum Skypen verabredet, das hat dann aber bei uns beiden nicht geklappt.

Nach dem ganzen Wahnsinn von der Uni, wollte ich mir etwas Gutes tun und habe ihn dann gefragt, ob wir (letzten Freitag) skypen wollen. Er hat eingewilligt und hat gesagt, dass er sich wirklich sehr darauf freut. Die Spannung war natürlich riesig, meinerseits. Ich stand an dem besagten Freitag früh auf, um mich für ihn hübsch zu machen. Wir haben uns nämlich für den Vormittag verabredet. Ich war total aufgeregt, entweder hätte ich ihn jetzt noch toller gefunden oder es wäre ein Flop geworden… Auf das Frühstück mit meiner Freundin habe ich seinetwegen verzichtet und ließ sie dann gehen, um mit ihm in Ruhe telefonieren zu können. Er war zur verabredeten Zeit kurz online, aber hat mich nicht angerufen. Ich konnte es einfach nicht fassen. Warum sagt man nicht einfach ab?

Da ich nun ein sehr impulsiver Mensch bin, habe ich ihm meine erste Terrornachricht verpasst. Und glaubt mir, ich habe wirklich lang genug gewartet. Er hat die Nachricht dann auch nachmittags gelesen, aber sich nicht mehr dazu geäußert. Meine Mädels haben sich noch gewundert, dass ich in der Lage war ein solche sachliche Nachricht zu verfassen und ihn nicht auf jegliche Art beschimpft habe. 😀 Und danach fing das große Geheule an. Ich musste noch so viele Vorbereitungen treffen, weil mich am Samstag mein Grundschullehrer mit seiner Frau besuchen wollte. Ich hatte einfach absolut keine Lust mehr. Warum läuft es immer so ab? Irgendetwas stimmt immer an den Typen nicht. Ich beschloss mich in Selbstmitleid zu baden und saß da hergerichtet vor dem Fernseher, heulend und schaute Grey´s Anatomy. Ich konnte mich dann doch wieder aufraffen und machte alle Besorgungen, heulte mich bei den Vorbereitungen bei meiner besten Freundin aus… Wir putzten natürlich gemeinsam. Sie meinte noch: „Als ich durch die Tür kam und die Putzeimer sah, wusste ich, dass mit dem Typen irgendetwas schief gelaufen ist.“ 😀

Wir haben natürlich nur miteinander geschrieben und ein paar Sprachnachrichten untereinander verschickt, aber nach einem Monat lässt sich schon eine Art Bindung aufbauen und bei mir war auf jeden Fall ein Hauch von verknallt sein vorhanden. Er sagte mir, dass es bei ihm genauso wäre und er sich total darauf freut mich persönlich zu treffen. Gespannt auf unseren ersten Kuss und die ersten Berührungen ist. Ich war anfangs skeptisch, aber ließ mich dann doch mitreißen. Der Samstag war dann für mich eine Katastrophe, ich fragte mich die ganze Zeit, warum er sich nicht meldet und ich absolut keine Erklärung von ihm erhalte. Schließlich haben wir viel Zeit für das Schreiben aufgebracht. Ich musste mich zusammenreißen nicht vor meinem Grundschullehrer beim Essen los zu heulen. Wenn ich in die Küche ging, um mit meiner Assistentin etwas vorzubereiten, verlor ich immer wieder ein paar Tränchen, reißte mich wieder zusammen und tat am Tisch so als wäre nichts… Abends, bevor ich zu dem Geburtstag einer sehr guten Freundin gegangen bin, kam meine beste Freundin auf die glorreiche Idee dem Typen von ihrem Account aus eine Nachricht zu schicken. Von der ganzen Heulerei hatte ich natürlich nichts mehr in der Birne und hielt dies für eine großartige Idee. Ihr Profil war eigentlich so eingestellt, dass er keine Verbindung zu mir herstellen konnte, sie hat sich ja schließlich nicht als meine Freundin in der Nachricht ausgegeben. Wir wollten wissen, ob er nur auf meine Nachrichten nicht mehr reagiert oder ob er generell nicht zurück schreibt. Ich habe übersehen, dass meine beste Freundin so gut wie auf jedem zweiten Bild in Facebook zu sehen ist und darunter Kommentare wie: ich liebe dich über alles; du bist meine Beste, stehen. Wir haben versucht das Ganze noch irgendwie zu retten, indem wir an meinen Facebook Einstellungen bastelten, damit er meine Bilder nicht mehr einsehen kann, aber ich war einfach viel zu abgefuckt und wollte nur noch zu meiner Freundin.

Auf dem Geburtstag in der Bar haben mich alle liebevoll ausgelacht und mich für meine Aktion gelobt, weil es eben wieder typisch Katja war. Einfach nur sinnlos. Es wäre wohl nicht schlimm, dass ich mich bei ihm nun als Psychopathin entpuppt habe, weil er das Aschloch ist, das man nicht verstehen muss. Hach, Freunde sind doch was ganz feines. 🙂

Er hat die Nachricht von meiner Freundin auch nicht gelesen. Ich fand es sehr seltsam, denn er war eigentlich wirklich häufig online und schon habe ich mir angefangen ein wenig Sorgen zu machen. Vielleicht ist ja etwas passiert und ich denke nun darüber nach, warum er sich bei mir nicht meldet. An dem Sonntag hatte ich dann nur Zeit für mich und somit widmete ich mich weiterhin meinem Selbstmitleid. Ich glaube, es ginge auch gar nicht mehr um ihn, sondern darum, dass ich wirklich nur verkorkste Typen anziehe. Zu dem Zeitpunkt war mir ein bestimmtes Detail noch nicht bekannt. Ich schickte ihm noch eine ausführliche Nachricht, in der ich geschildert habe, wie ich mich gerade fühle und ich es fair finde, wenn er kein Interesse an mir hat, mir das einfach auch mitteilt und nicht nur so eine asoziale Aktion bringt. Wie das so ist, verschicken Frauen sehr gerne Screenshots und eine meiner Assistentinnen wollte wissen, was ich ihm genau zuletzt geschrieben habe. Daraufhin stalkte sie ihn und schrieb mir, dass es ihr unheimlich leid tut, was sie mir nun sagen wird… Aber das Mädel auf seinem Profilbild ist garantiert nicht seine Cousine. Meine Assistentin schickte mir ihr Profil zu und ich konnte mich selbst überzeugen. Das Profil seiner „Cousine“ ist voll von Pärchen Bilder mit ihm und die Kommentare darunter bestätigten eindeutig, dass die beiden in einer Beziehung sind. Glaube sogar seit 3 Jahren. Ich war so geschockt! Das hätte ich einfach nicht gedacht. Und da saß ich da: eine Schnapsleiche vom letzten Abend, die verheult in ihrem dunklen Wohnzimmer gammelte und beim Anschauen der Pärchenbilder einen Lachkrampf nach dem anderen bekam. Ich habe wie eine Irre gelacht. Ich kann nicht erklären warum, aber mir fiel ein Stein vom Herzen. Meine Assistentin fragte mich die ganze Zeit wie es mir geht, weil sie sich Sorgen gemacht hat, aber irgendwie war ich erleichtert. Ich wusste woran ich jetzt bin. Meine Gefühle wechselten jedoch ständig. Ich war verletzt, wütend, traurig, dann wieder sauer… Andererseits auch froh, weil wir uns nicht getroffen haben. Wir hätten ansonsten sicher miteinander geschlafen und dann hätte ich nie wieder was von ihm gehört. Er wusste genau, dass es das ist, was ich nicht mehr möchte.

Gestern hat er sich dann bei mir gemeldet und sich entschuldigt. Seiner Oma ging es wohl sehr schlecht und er musste ganz dringend zu seiner Familie. Hatte dann natürlich auch noch sein Tablet vergessen. Ich fragte mich, für wie dumm er mich hält!? Er hatte sich schon mal drei Tage nicht gemeldet, weil er angeblich sein Handy verloren hat und dann drei Tage gebraucht hat, um mir das zu sagen. Ich hab es dann einfach so hingenommen, hätte ja sein können. Aber das mit der Oma war eindeutig zu viel. Wie kann man einfach nur so lügen? Mir vorzugaukeln, dass man sich eine Beziehung wieder wünscht und noch viel größeren Bullshit. Ich wusste nicht, was ich tun soll und hab mir kurz einen Spaß daraus gemacht das Spiel mitzuspielen. Hab ihm gesagt, dass es mir leid tut, dass es seiner Oma so schlecht geht und dass ich ihr wünsche, dass sie ganz bald wieder gesund wird. Ach ja, und natürlich dass ich ihn schrecklich vermisst habe… Mit einem Herz selbstverständlich dran. Er war wahrscheinlich etwas irritiert von meinem Verständnis und bedankte sich bei mir dafür und erwiderte, dass er mich auch vermisst hat. Ich musste über diese Unterhaltung so sehr lachen. Meine beste Freundin und ich haben uns psycho- Szenarien ausgemalt. Wir haben überlegt, dass ich das Spiel einfach mitmache und es eventuell ja doch schaffe ihn zu mir zu lotsen. Ich würde meine Wohnung dann überall Bilder von uns beiden aufhängen oder besser gesagt das Gesicht seiner Freundin rausschneiden und meins hineinkleben 😀 Wir hatten noch viele weitere Ideen zum Beispiel einen Altar aufzubauen mit ganz vielen Blumen und kleinen Bildern und selbstverständlich Kerzen, aber dann hätte ich noch einen Monat länger mit ihm schreiben müssen und da ich leider viel zu tun habe, kann ich ich mich darum nicht kümmern. Schade eigentlich, ich habe schon immer davon geträumt meine psychopathische Ader auszuleben, aber bisher taten mir alle Männer dann doch leid. Bin wohl doch kein Psychopath. Er hätte es auf jeden Fall verdient. Stattdessen fragte ich ihn, ob er wissen möchte, was ich am Sonntag gefunden habe. Daraufhin schickte ich ihm ein Bild mit seiner Freundin, welches sie am Samstag Abend online gestellt hat. In der Zeit war er eigentlich bei seiner Oma. Ich stellte ihm die Frage, ob das nicht seine Cousine wäre und erklärte ihm, dass es doch Inzestliebe wäre, was die beiden betreiben.

Er entschuldigte sich bei mir und gestand mir, dass er sich nur an meinen Bildern aufgegeilt hat. Er findet Frauen mit Behinderungen einfach geil und versteht es selbst nicht, darum die ganze Masche. Er hofft wohl, dass er mich nicht allzu sehr verletzt hat. Gewünscht hat er sich, dass das Ganze unter uns bleibt und es zu beenden. Nach seiner Ex hat er nie wieder eine solche Frau gefunden, er möchte gern mehr von mir, aber es geht leider nicht. Ich verstand einfach nicht, was er von mir wollte. Waren es nur die Bilder, auf die er scharf war? Daraufhin antwortete er mir tatsächlich, dass er sich erstmal nur das von mir wünscht. Erstmal, WTF??? Es ist für ihn nicht so einfach zu dieser Neigung zu stehen, weil er nicht blöd dargestellt werden möchte, darum hat er wohl mehrfach versucht seine Neigung „abzulegen“… Ihm war wohl zum heulen zumute, wobei ich finde, dass er alles bekommen hat, was er wollte und dazu absolut kein Grund hat. Einerseits betrachtet das als ein Riesenfehler mit uns, aber wenn die Zeit passend ist, würde er sich andererseits auch mit mir treffen, weil ich so gesagt das perfekte Bumsmaterial für ihn bin. Er kann das angeblich gut trennen, seine Beziehung und seine Vorliebe für Frauen mit Behinderung. Er sagte mir, dass nicht alles gelogen wäre, was er mir geschrieben hat, sondern eben nur sein Beziehungsstatus. Ich fand es alles widersprüchlich.

Ich hab so geweint, weil mich noch nie jemand der Art verarscht hat. Ich war sauer, aber gleichzeitig hat er mir auch leid getan. Er scheint mit seiner Neigung zu kämpfen. Und warum? Weil er sich dem Denkmuster und der Norm unserer Gesellschaft fügt, weil es der einfache Weg ist. Er ist Fußballspieler, ich kann mir gut vorstellen, dass es noch schwieriger ist sich in diesen Kreisen „zu outen“. Eine Frau mit einer Schwerstbehinderung ist vielleicht nicht die perfekte „Spieler-Frau“ unter den Jungs. Wahrscheinlich ist er auch noch zu jung und darum so feige. Aber was nimmt er dafür in Kauf? Er scheint kein erfülltes Sexualleben zu haben und das kann, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, sehr belastend sein. Viel schlimmer finde ich, dass er dabei andere in Mitleidenschaft zieht. Er spielt mit den Gefühlen von anderen Frauen, täuscht, belügt, betrügt und verletzt vor allem. Seine Freundin wird ihm wahrscheinlich nie alles geben können, was  er sich wünscht und braucht. Es gibt jedoch Männer, denen sie in jeglicher Hinsicht vollkommen gefallen würde. Mit seinem Schweigen nimmt er ihr die Möglichkeit selbst zu entscheiden, ob er IHR unter diesen Umständen ausreicht und ob sie mit ihm ihr Leben verbringen möchte oder nicht. Laut meiner und der Analyse meiner Freunde geht es ihm nicht nur um Wichsmaterial, denn dann lässt man sich nicht so viel Zeit beim Schreiben und legt nicht so viel Wert auf die „Beziehungsebene“. Seine Fantasie eine „Beziehung“ mit einer Frau mit Behinderung aufzubauen, lebt er darum virtuell aus.  Im Grunde macht er sich selbst und andere sehr unglücklich, aber in erster Linie sich selbst. Es könnte alles so einfach sein, wenn man weniger Wert darauf legt, was die Gesellschaft vielleicht denken könnte. Jeder sollte in erster Linie an sein eigenes Glück denken und dieses nicht von Denkweisen anderer Menschen beeinflussen lassen. Er wusste ganz genau, dass ich mich auf das Schreiben mit ihm nicht eingelassen hätte, wenn er mir gesagt hätte, dass er vergeben ist. Darum das ganze Theater! Wenn er unbedingt an seiner Beziehung festhalten möchte, dann ist es der bessere Weg den Frauen mit Behinderung ehrlich zu sagen, was er möchte. Es gibt sicher Ladys, die sich darauf einlassen. Er hat mich noch gefragt, ob wir noch weiterhin Kontakt haben können, in dem wir normal weiter schreiben. So ganz kommt er davon nicht weg. Ich wünsche ihm, dass er eine nette Lady mit Behinderung kennenlernt und sich für die entscheidet.

Da ich auch auf mein Glück achten muss, bin ich auf keinen Fall die zweite Wahl, sondern die erste!

Katja

Brüdaz

                                                        2015-01-04 01.12.21

Was sind wahre Freunde?

Eine wahre Freundin lacht mit dir stundenlang… nein, sogar mehrere Tage über ein und denselben Witz oder dieselbe lustige Erfahrung, die du gemacht hast.

Sie kauft für dich ein, wenn du todkrank im Bett liegst…

Sobald sie erfährt, dass der Lifter mal wieder kaputt gegangen ist, sagt sie dir, dass sie so schnell sie kann zu dir eilt, um deiner Assistentin zu helfen dich auf Toilette zu bringen und dich zu duschen…

Wenn eine neue Assistentin ihren ersten Arbeitstag bei dir hat, schläft eine wahre Freundin an diesem Tag bei dir, weil sie genau weiß, dass du dich in dieser Nacht etwas unsicher fühlst…

Direkt nach einer Trennung streicht sie mit dir gemeinsam deine Wohnung, damit du deine alten Erinnerungen hinter dir lassen und einen Neubeginn starten kannst …

Bricht ein Typ dir dein Herz, schlägt sie dir sogar wutentbrannt vor, 400 km Weg auf sich zu nehmen, um ihn zu schütteln und um ihm sagen zu können, welch großartige Frau er sich da gerade entgehen lässt… (Keine Sorge, liebe Männer… Es ist nur ihre Fantasie gewesen, aber wenn ich das wollen würde, macht sie es ganz sicher 😀 fürchtet euch doch ein wenig!)

Fühlst du dich vielleicht mal wieder unattraktiv und unwohl, weil du jeden Moment deine Periode bekommst, dann sagt sie dir, wie schön dein Körper überhaupt ist und dass dein in wenigen Tagen geplantes Sexdate total heiß auf dich sein wird…

Ja, sie würde sogar einen Soft Tampon aus dir herausholen, weil sie genau weiß, wie schrecklich du es findest, wenn die Assistentin es macht…

Sie verbringt auch mit dir Weihnachten, damit du an diesen Tagen nicht alleine bist…

Wenn du eine paranoide Attacke hast, streichelt sie dir über den Kopf und lacht dich dabei aus… 😀

Sie hat Spaß daran deine Psycho-Fantasien weiter auszumalen und muss es gleich übertreiben, indem sie deine übertüncht…

Auf dem Abschlussball lässt sie ihren Freund für den ersten Tanz stehen, weil sie erfahren hat das dein Tanzpartner dir abgesagt hat…

Und wenn ihr euch ein Jahr nicht gesehen und nichts voneinander gehört habt, hat sich zwischen euch doch nichts geändert…

Ich könnte noch so viele weitere Beispiele nennen… Es handelt sich hierbei aber nicht nur um eine Freundin, diese Erfahrungen mache ich mit verschiedenen meiner Mädels.
Ich bin einfach super froh sie zu haben, weil Freunde eben das Leben doch so sehr bereichern und es lebenswert machen.

                                                              2015-01-04 01.12.52

In den letzten Tagen habe ich viel über meine Freundschaften nachgedacht. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich recht spät wirklich tiefgründige Freundschaften geführt habe.
Es war schwierig für mich in der Schule Freundschaften zu schließen, weil ich sehr lange auf einer Förderschule war. Intellektuell waren wir in der Klasse kaum auf dem selben Niveau, daher fiel es mir sehr schwer den Anschluss zu finden. Meine Pause verbrachte ich oft mit Zivildienstleistenden und FSJlern. Da sie nun älter waren als ich, hatten meine Lehrer Sorge und schlugen mir vor die Schule zu wechseln. Ich wechselte nach Köln auf eine Schule, in der es mir möglich war alle Abschlüsse zu machen, die ich konnte und wollte. Ich weiß nicht, wie es jetzt ist, aber zu dem Zeitpunkt gab es nicht so viele Förderschulen, an denen man auch Abitur machen konnte. Für gewöhnlich erreichte man damals höchstens den Hauptschulabschluss A an einer Förderschule. Nun standen mir aber in Köln alle Wege offen und ich habe gehofft, dass ich dort auch Freunde finde.

Ich habe mich deutlich besser mit meinen Klassenkameraden verstanden, aber es war dennoch etwas schwierig. Die Schüler kamen aus ganz Nordrhein-Westfalen, darum konnte man nach der Schule nichts gemeinsam unternehmen. Gemeinsame Freizeitaktivitäten stärken selbstverständlich die Freundschaft. Dies war wenn überhaupt nur selten möglich.
Natürlich sind mir meine Klassenkameraden ans Herz gewachsen und ich war traurig als wir nach unserem Abschluss getrennte Wege gegangen sind. Aber das alles lässt sich nicht mit dem vergleichen, was danach kam…
Ich habe in Köln dann auch an der selben Schule mein Abitur angefangen, allerdings ist mir zu dem Zeitpunkt bewusst geworden, dass ich richtig unglücklich war und aus diesem Grund musste ich dann auch die Schule abbrechen. Ein ganzes Jahr habe ich versucht eine Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten zu finden. Dies war jedoch in unserem Dorf sehr schwierig.

Eines Tages ist mir dann mein Grundschullehrer über den Weg gelaufen, für diesen Tag bin ich einfach so dankbar heute. Er wollte natürlich wissen, was aus mir geworden ist und nachdem ich ihm von meiner Situation berichtet habe, schien ich ihm wohl nicht mehr aus dem Kopf zu gehen. Denn ein paar Wochen später erhielt ich einen Anruf von ihm. Er fragte mich, ob ich nicht mein Abitur nachholen möchte… Natürlich wollte ich! Er versprach mir, mich dabei zu unterstützen eine Schule zu finden, die barrierefrei ist und mich aufnehmen würde. Ich habe mich natürlich riesig darüber gefreut, aber so richtig glauben konnte ich es nicht, dass alles klappt…
Es verging kaum Zeit und schon musste ich mich bei dem Schuldirektor der Gesamtschule vorstellen. Das Gespräch mit ihm verlief sehr gut und er hat noch mal ausdrücklich betont, wie sehr er sich freut, dass ich an dieser Schule mein Abitur nachholen möchte.
Ich hatte super große Angst davor, schließlich war ich bisher nur auf Schulen, die für Menschen mit einer Behinderung ausgelegt waren. Ich war sozusagen eine von vielen und nicht anders.
Ich fragte mich die ganze Zeit, wie es sein wird, wenn alle um mich herum keine Behinderung haben. Werde ich eventuell gemobbt?
Generell habe ich immer ein Problem damit neue Leute kennen zu lernen, weil ich anfangs total schüchtern bin.
Meine neuen Lehrer kamen immer wieder auf mich zu und fragten mich, ob es mir gut geht und ob sie etwas für mich tun könnten, damit ich mich wohler fühle.
Relativ schnell stellte sich heraus, dass der Toilettengang an dieser Schule ein Problem darstellen würde, weil es keine Liege in dem behindertengerechten Bad gab. Darum war ich gezwungen in der Pause immer nach Hause zu gehen, um auf Toilette gehen zu können. Den Lehrern fiel auf, dass ich nie in den Pausen mit meinen Klassenkameraden zusammen war. Sie suchten mit mir das Gespräch, aber waren selbst deshalb etwas ratlos. Der Schulleiter wollte mit mir einen Antrag für eine Liege stellen, aber eine Genehmigung dieser Liege hätte eventuell Monate dauern können. Und wie immer bekam mein Grundschullehrer auch von diesem Problem Wind und kurze Zeit später stand eine Liege in dem Bad der Schule.

Seitdem verbrachte ich ganz normal meine Pausen mit meinen Klassenkameraden. Es war einfach ganz anders, denn in der Pause unterhält man sich über private Dinge und man verabredet sich nach der Schule. Wenn es um Verabredungen ging, habe ich mir ein wenig Sorgen gemacht, weil ich nicht wusste, wie meine Klassenkameraden reagieren, wenn ich ihnen erzähle, dass sie mir mein Essen anreichen müssten und mir meine Jacke an/ausziehen müssen usw. Damit hatten sie kein Problem, vielmehr hatten sie Sorge mir eventuell wehtun zu können, aber da ich nicht auf den Mund gefallen bin und sehr gut erklären kann, verflogen diese Unsicherheiten sehr schnell.
Mir hier und da zu helfen, war für sie selbstverständlich. Ich denke so gerne an diese Zeit zurück, weil ich in der Zeit so viel über mich und über die Menschen, von denen ich umgeben bin, gelernt habe… Es gab einfach so viele rührende Momente. Während meiner Abizeit brauchte meine Mutter dringend eine Auszeit und war darum für ein paar Tage nicht zu Hause, meine Mädels haben mir dann angeboten die Pflege zu übernehmen… Als es darum ging den Ort für unsere Abschlussfahrt zu finden, wollten die meisten ins Ausland. Ich wollte meinen Klassenkameraden die Abschlussfahrt nicht verderben und habe darum nicht gesagt, dass eine Abschlussfahrt im Ausland mit mir eventuell schwierig umzusetzen ist, weil man eben schauen muss, ob dort alles barrierefrei ist und die Hin- und Rückfahrt mit meinem Elektrorollstuhl möglich sein muss. Um meinen Klassenkameraden keinen Strich durch die Rechnung zu machen, habe ich mich damit abgefunden nicht mitzufahren. Irgendwann fiel jedoch auf, dass man mich bei der Planung vergessen hat. Es haben sich aber schon einige auf eine Abschlussfahrt im Ausland eingestellt und es entstand ein wenig schlechte Stimmung in unserer Stufe. Daraufhin gab es dann eine Sitzung mit der gesamten Stufe, in der die Lehrer vorgeschlagen haben unsere Stufe für die Abschlussfahrt aufzuteilen. Die einen hätten ins Ausland fahren können und die anderen wären mit mir in Deutschland geblieben. Ich fand diesen Lösungsvorschlag natürlich nicht so toll… und war dann sehr überrascht über die Reaktion meiner Klassenkameraden. Sie ruderten zurück und sagten, dass sie wohl bei der ganzen Vorfreude auf die Fahrt vergessen haben, dass ich eine Behinderung habe und dass gewisse Dinge beachtet werden müssen, deshalb entschied sich der Großteil der Stufe in Deutschland zu bleiben, weil die Organisationen in der kurzen Zeit realistischer war. Ob ich das gut oder schlecht finde, wenn meine Behinderung vergessen wird, das lass ich hier so stehen, aber diese Abstimmung hat mich sehr berührt, weil es gezeigt hat, wie sehr wir als Stufe zusammengewachsen sind. Leider mussten wir feststellen, dass Hamburg auch nicht wirklich barrierefrei war, somit musste ich viel getragen und geschoben werden. Vielleicht waren wir aber auch zu dämlich, aufgrund des hohen Alkoholkonsums, barrierefreie Routen herauszusuchen.

Wie auch immer, es war eine wirklich sehr schöne Zeit und nach dem ich ausgezogen bin, habe ich noch mehr tolle Menschen kennengelernt, die nun meine dicksten Homies sind und ebenso sind, wie ich sie hier am Anfang beschrieben habe…

                                   15094853_1138753542860099_5456954501840204220_n

PS: Lieber Grundschullehrer, ohne deine Unterstützung im Laufe meines ganzen Lebens, würde ich heute schlimmstensfalls Schrauben in einer Behindertenwerkstatt sortieren oder ich wäre eine langweilige Rechtsanwaltssekretärin geworden. Ich weiß nicht, was schlimmer ist. Ich verdanke dir, dass ich heute dort stehe, wo ich stehe 🙂

PSS: Ich habe zwar viele sehr gute Freundinnen, aber männliche, handwerksbegabte und am liebsten schwule Freunde fehlen mir sehr, da meine Wohnung eine reinste Baustelle ist. Bussi.

Katja

Die Männer mit der gewissen Vorliebe für Frauen mit einer Behinderung…

                                           11892141_865604850174971_5785765662821267323_n

Nun habe ich euch ja bereits von ein paar meiner Daterfahrungen berichtet… Und bei den ganzen Konversationen mit den Männern aus den Online-Dating-Portalen ist mir besonders eine Männergruppe auf einer Singlebörse für Menschen mit Behinderung aufgefallen. Männer, die explizit auf Frauen mit einer Behinderung stehen. Mir war bewusst, dass es Menschen gibt, die eine solche Vorliebe haben, aber ich habe mich damit nie wirklich auseinandergesetzt, weil ich eben in einer Beziehung war.
Ich muss doch ehrlich sagen, dass ich es sehr befremdlich fand, als ich das erste Mal davon hörte.

Ja und jetzt als Single wurde ich mit der ganzen Thematik konfrontiert, weil mich viele Männer mit dieser Neigung angeschrieben haben.
Wie gesagt, ich fand es seltsam, aber ich wollte offen sein und habe mich auf Chats mit den Männern eingelassen. Die Gespräche verliefen sehr unterschiedlich, die einen waren nur darauf aus mir Fragen zu meiner Behinderung zu stellen, wieder andere haben sich auch für mich und meine Behinderung interessiert (so ziemlich ausgeglichen). Zweiteres war mir natürlich angenehmer und sympathischer…

Dennoch fragte ich mich, was genau diese Männer explizit an Frauen mit einer Behinderung reizt. Ich konnte es irgendwie nicht wirklich nachvollziehen, daher dachte ich mir, wenn sie mir eine Menge Fragen zu meiner Behinderung stellen, dann kann ich sie ebenfalls ausfragen.

Viele sprachen davon, dass es ihnen gefällt, wenn der Körper anders aussieht, nicht der Norm unserer Gesellschaft entspricht… Zum Beispiel, die „schlaffen“ Beine (die fehlende Muskulatur in den Beinen), oder eben die „Verformungen“ am Körper (meine Hände kommen zum Beispiel sehr gut an)… Bei manchen konnte ich heraushören, dass sie doch darauf stehen beim Sex eine gewisse „Macht“ über die Frau zu haben. Das waren alles Infos, bei denen ich erst mal schlucken musste…
Ich habe viel darüber nachgedacht und fragte mich im Nachhinein, warum es mich „entsetzt“ hat. Im Grunde ist doch gar nichts dabei!

Sehr wahrscheinlich war es für mich befremdlich, weil die Männer genau das an mir super schön fanden, was ich an mir absolut nicht mag… die Haltung meiner Hände, die fehlende Muskulatur in meinen Beinen, meine sichtbare Skoliose usw. Einer sagte mir zum Beispiel, dass sich bei ihm nichts regen würde, wenn er einen Playboy vor sich liegen haben würde und sich die ganzen Playmates anschaut. Und siehe da, dieser Gedanke gefiel mir sehr. In seinen Augen konnten die Playmates mit mir nicht mithalten. Welche Frau hört so was nicht gerne?

Nach längerem Kontakt ist mir auch aufgefallen, dass ich mich diesen Männern gegenüber ganz anders verhalten habe… beim Austausch von Bildern zum Beispiel habe ich ganz andere Bilder verschickt. Bei anderen Männern ohne diese Neigung habe ich, glaube ich, unterbewusst Bilder gewählt, auf denen man zum Beispiel meine Skoliose nicht auf den ersten Blick erkennt…oder die Haltung meiner Hände…wahrscheinlich aus der Sorge genau deshalb abgelehnt zu werden.

Das war in dem Fall anders. Einem habe ich mehrere Ganzkörperbilder von mir geschickt und seine Reaktion daraufhin war: „Wow, dein Körper ist so vollkommen, wie ich ihn selten in meinem Leben gesehen habe“. Für ihn war ich vollkommen. Das Gefühl vermittelte er mir auch bei unserem Date und das war natürlich wunderschön!

Und bezüglich des Themas „eine gewisse Dominanz beim Sex zu genießen“, ist mir doch wieder eingefallen, dass ich ja sehr auf dominante Männer stehe und es mich eben sehr anturnt dem Mann „ausgeliefert zu sein“ und nicht zu wissen, was als nächstes passiert… dies bedarf allerdings großes Vertrauen! Von daher, wenn beide sich in ihrer Rolle wohlfühlen, ist doch alles perfekt.

Außerdem hatte ich bei keinem dieser Männer das Gefühl, dass sie „verrückte Perverse“ sind… Davon gehen jedoch viele Menschen wahrscheinlich aus, weshalb diese Männer auch sehr vorsichtig mit ihrer Vorliebe umgehen und anfangs ganz vorsichtig anfragen, ob man damit ein Problem hätte.

Schon krass, dass man in unserer Gesellschaft nicht offen damit umgehen kann, weil man beispielsweise um seine Karriere eventuell bangen oder generell schiefe Blicke ernten muss…
Dabei vergessen wohl die Meisten, dass es hierbei nur um Äußerlichkeiten geht.

Niemand muss es verbergen, dass er oder sie auf große Brüste, blonde Haare, einen muskulösen Körper… steht. Ich zum Beispiel stehe darauf, wenn der Mann einen schönen flachen Bauch hat, noch schöner finde ich es, wenn er leicht muskulös ist. So hat doch jeder von uns seine Vorlieben, Vorstellungen und Schönheitsideale.

Gleichzeitig frage ich mich, ob es auch so verpönt wird, weil unsere Gesellschaft automatisch ausschließt, dass Frauen mit einer körperlichen Behinderung durchaus begehrenswerte und attraktive Frauen sind? Und es deshalb als abnormal gesehen wird, dass es Männer gibt, die vollkommen auf diese Gruppe von Frauen abfahren. Oder unterstellt man uns sogar, dass wir nicht in der Lage sind ein „Nein“ zu äußern, wenn wir etwas nicht wollen? Sind wir in den Augen der Gesellschaft aufgrund unserer Behinderung schützenswerter?

Meiner Meinung nach vollkommener Bullshit! Es gibt so viele Frauen mit einer Behinderung, die selbstbewusst sind und genau äußern können, was sie wollen und was eben nicht. Und davon sind auch noch viele verdammt heiß!

Es gibt solche und solche Frauen, aber das hat ja nicht immer etwas mit der Behinderung zu tun.

Also ihr Lieben, denkt nach, bevor ihr abstempelt und erweitert euren Horizont 🙂

Eure

Katja