Sex – Kann ich meine persönliche Assistenz um Hilfestellung bitten?

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Es war ein ganz normaler kuscheliger Pärchenmorgen. Obwohl so ganz normal ist es doch nicht, oder doch? Mein Freund und ich wissen es auch nicht. Eins ist jedoch sicher, es ist nicht normal jemand zu fragen, ob man mich für den Sex „vorbereitet“.
Klingt alles komisch? Ich klär euch auf! Mein Freund und ich haben eine Muskelerkrankung (wie bereits im Einführungsblog erwähnt). Diese ist bei uns beiden stark ausgeprägt. Wir sind komplett auf Hilfe angewiesen. Beide haben wir eine 24h-Assistenz, die uns in unserem Alltag unterstützt. Es betrifft unser Berufsleben, Freizeitgestaltung…u.s.w. Natürlich spielt auch in unserem Leben Sex eine große Rolle. Leider können wir unser Sexleben nicht ganz nach unseren Vorstellungen und Wünschen ausleben. Wir haben zwei Sexassistenten, die es uns ermöglichen unsere Bedürfnissen auszuleben. Zwei Stunden kosten uns jedoch 400€. Dies führt dazu, dass wir höchstens einmal im Monat Sex haben können, weil es einfach zu teuer ist. Nach langem Überlegen hatten wir eine verdammt gute Idee: einer von uns beiden hängt sich in den Hebelifter und der andere bleibt im Rollstuhl sitzen, so sind wir in der Lage uns oral zu „liebkosen“. 😉

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(Der Elch auf dem Foto dient euch zur bildlichen Darstellung! Für alle, die auch so einen Lifter zu Hause besitzen, es ist die perfekte Sexschaukel;). )

Einen Haken gibt es allerdings! Unsere Assistenten müssten einen von uns in den Lifter hängen, selbstverständlich nackt. Natürlich verlassen unsere Assistenten das Zimmer und bekommen nichts von dem mit, was bei uns passiert. Darum zu bitten, kostet große Überwindung. Wir müssen uns öffnen und unsere Assistenz in eine absolute Intimsphäre lassen. Schwierig für beide Parteien! Es erforderte viel Mut unsere Assistenten zu fragen, ob sie uns auch dabei unterstützen.
Ich für meinen Teil hatte große Angst vor der Reaktion meiner Assistenten. Was ist, wenn es der Assistentin unangenehm ist und sie es trotzdem macht, weil sie mir damit einen Gefallen tun will? Ist das vielleicht eine Art sexueller Belästigung am Arbeitsplatz? Bin ich pervers, wenn ich darum bitte mich in den Lifter zu hängen? Das sind Fragen, die mir dann im Kopf herumschwirren. Wahrscheinlich werden jetzt einige denken, dass das berechtigte Fragen sind. Andere werden wohl beim lesen einfach nur schmunzeln.
Aber zurück zu unserem kuscheligen Pärchenmorgen. Wir haben geknutscht uns sexy Sätze ins Ohr geflüstert. Und dann kam sie: die Lust auf Sex! An dem Tag hatte ich eine Assistentin bei mir, die ich noch nie gefragt habe. Also ging ich mit ihrer Hilfe auf Toilette und fragte sie dann anschließend, ob sie mich in den Lifter hängen würde . Sie sagte daraufhin: „Ääh ja…ist in Ordnung…ist o.k. für mich. Ich mache es…“.
Und da war sie: die Reaktion vor der ich Angst hatte! Sie sagte zwar zu, aber es klang sehr zögerlich. Es fühlte sich an, als hätte ich einen Schlag ins Gesicht verpasst bekommen. In dem Moment habe ich mich auch irgendwie gedemütigt gefühlt….Scham überkam mich! Versteht mich bitte nicht falsch: Ich war ihr absolut nicht böse…ich hatte Verständnis. Ich hatte einfach nur das Gefühl, dass ich ihr damit zu nahe getreten bin und das wollte ich wirklich nicht. Was in ihr vorging, weiß ich leider nicht…ich habe mich nicht mehr getraut das Thema anzusprechen, was wahrscheinlich ein Fehler war. Ich wollte ihr nur nicht nochmal zu nahe treten. Ich bin dann zu meinem Freund gegangen und war einfach nur fertig…fertig von dem ganzen Gefühlschaos. Ich starrte heulend auf die Decke und tröstete mich mit dem Gedanken, dass nächstes Wochenende eine Assistentin da ist, die damit kein Problem hat und uns ihre Hilfe selbst angeboten hat. Ob das ein Trost war? Das weiß ich nicht. Wohl eher nicht, denn Sex wollte ich in dem Moment und dachte dabei nicht an nächste Woche…

 

Dazu muss ich sagen, dass mir das bereits vor über einem Jahr passiert ist. Ich habe mittlerweile gar kein Problem damit, meine Assistenten auf dieses Thema anzusprechen.
Mir ist bewusst geworden, je unsicherer ich mit dem Thema Sexualität umgehe, desto unsicherer gehen meine Assistenten damit um. Wenn eine neue Assistentin bei mir anfängt, spreche ich auch direkt das Thema Partnerschaft und Sexualität an. Ich erzähle ihr, dass ich einen Freund habe und dass wir zum Beispiel regelmäßig zu unseren Sexualassistenten fahren und dass es auch ihre Aufgabe ist, uns dahin zu begleiten. Daraus entsteht meist ein langes Gespräch, weil einfach viele Fragen bei den Assistenten aufkommen. Seitdem ich offener mit meiner Sexualität umgehe, reagieren unsere Assistenten (sowohl die meines Freundes, als auch meine) eigentlich nur positiv und bieten uns sogar Hilfe an, die wir nie im Leben annehmen würden. :)

Ihr Lieben da draußen, euch kann ich nur raten, steht zu euch und zu euren Wünschen und Bedürfnissen :)

Es wird sich immer ein Weg finden…

Eure

Katja <3

48 thoughts on “Sex – Kann ich meine persönliche Assistenz um Hilfestellung bitten?

  1. Ich habe allergrößte Hochachtung davor, dass Ihr dieses Thema so offen ansprecht. Ich kann mir vorstellen, wie schwer es ist, Assistenten hier einzubinden. Das ist ja genauso schwer, wie Sex zu Dritt. Viel Erfolg weiterhin.

  2. Ich kann mir enigermassen vorstellen, dass das nciht einfach für Euch ist. Schliesslich müsst Ihr Eure Verlangen quasi mit anderen, unbeteiligten Menschen teilen, da Ihr leider physisch nicht in der Lage seid, eigenständig zu handeln. Das ist sicher nicht einfach. Deshalb ist der Verlauf der Geschichte inkl. der Zeit, die inzwischen vergangen ist, wohl ein normaler Verlauf. Toll finde ich, dass Ihr Euch nicht habt entmutigen lassen, trotz aller Scharm. Scharm entsteht immer bei einem selbst, weshalb dort die grosse Überwindung liegt. Oft sind Menschen drumherum viel verständnisvoller und offener als man selbst dachte, dass sie es wären. Aber wer kennt das nicht von uns. Hey, habt Spass und lasst Euch den trotz aller Umstände nicht nehmen. Wir leben alle nur einmal :-)

  3. hey. ich finde es einfach großartig, wie offen du über dieses sensible thema schreibst. und ich wünsche mir, dass viel mehr menschen so offen sind – dann ist vielleicht das thema sex und behinderung irgendwann kein tabuthema mehr. und du müsstest nicht darüber nachdenken, ob und wie du assistenten bittest, dir dabei zu helfen, sex zu haben.

  4. Hallo, ich finde es toll, das ihr euch nicht unterkriegen lasst, ich kenne es, wenn auch ein wenig anders. Mein Mann ist Querschnittsgelähmt und wir haben auch unsere Vorbereitungen, bevor es los geht. Natürlich ist es mit Assistenten nochmal was anderes. Und zu Sex und Behinderung leben wir hier leider noch in der Steinzeit, bin als Nichtehinderte auch auf Ablehnung gestoßen, nach dem Motto „Wie kann man mit einem Behinderten Sex haben“.Das hat uns nur noch mehr motiviert. Also, weiter kämpfen und viel schönen Sex haben.

  5. kleiner Tipp von mir, beim oralen Spaß mit deckenlifter:
    Haben bei meiner Freundin (ich bin der Tetra, sie war komplett fit, störte aber nicht

  6. Grossen Respekt vor diesem sehr interessanten Post! Es kostet bestimmt Überwindung dieses doch sehr intime Thema sowie die Ängste und die Bedürfnisse mit uns zu teilen. Aber ganz ehrlich, ich finde es sehr interessant endlich mal mehr über dieses (Tabu)thema zu erfahren, das ist ein wichtiger Schritt der auf die Problematik aufmerksam macht. Ich wünsche euch beiden viele schöne Momente zu zweit!

  7. Ich bin auch durch vorgeburtliche Genschaedigung behindert, und hatte eine behinderte Freundin, die 24 Std. Assistenz hatte. Auch wir mussten die Assistenzen von Anfang an darauf vorbereiten, dass auch wir sexuelle Befuerfnisse haben. Es war zwar nicht einfach, aber wir haben das schon in unseren Suchanzeigen thematisiert, so dass die infrage kommenden Petsonen schon wussten, was in etwa von ihnen auch etwartet wurde. So hatten wir zumindest die grosse Wahrscheinlichkeit, dass uns unangenehme Bettelei erspart bliebe! Hat auch meistens gut funktioniert, und ich denke, es war,richtig fuer uns so zu verfahren!!!

  8. Hey,
    ich habe großen Respekt davor, wie ihr mit diesem Thema umgeht. Noch größeren Respekt habe ich davor, dass du deine Gedanken und Erlebnisse mit anderen teilst. Ich glaube, dass du damit vielen Menschen in ähnlichen Situationen eine große Hilfe seien kannst. Über solche Themen zu reden, sorgt für mehr Selbstverständlichkeit und kann somit die Furcht davor nehmen, Sie anzusprechen (Für ALLE beteiligten). Mach weiter so… :-)

  9. Es ist tatsächlich am besten das schon im Bewerbungsgespräch zu thematisieren. Nur an diesem Punkt hat ein Assistent auch die möglichkeit zu sagen, dass er oder solche Arbeiten nicht machen möchte. Später ist er als Angestellter abhängig vom Lohn und kann nicht mehr frei entscheiden. Dann kann es auch je nach Frage um sex. Belästigung gehen.
    Liebe Grüsse
    M.

  10. Hi Katja,

    ich finde es echt super, dass du so offen darüber sprichst, ich denke dein Blog kann so manchem echt die Augen öffnen, was das Thema Sexualität bei Behinderung angeht.

    Weiter so!

  11. Hallo
    Ich kann dir nur gratulieren!!!
    Auch ich arbeite als Persönliche Assistentin & finde einfach toll, dass du / ihr nicht nur zu dir / euch selber steht, sondern auch den Mumm habt, darüber zu berichten & warscheinlich vielen Anderen so den Rücken stárkt!!
    Alles Gute weiterhin & LG.

  12. NUR ein Wort: Saucool! Klar, dass man auf die Frage erstmal irritiert reagiert. Aber wie du schon sagst, deine eigene Sicherheit überträgt sich auf die Helfer.

  13. Liebe Katja
    Es fehlen einem im ersten Moment die Worte bei so viel Offenheit und im zweiten Moment fängt man an einzutauchen und sich zu fragen. „Was wäre wenn…?“
    Dein Bericht nimmt die Scham sich mit diesem Thema zu beschäftigen und sollte auch von Leuten gelesen werden die an entscheidener Stelle Gelder zu bewilligen haben.

  14. Vorbildlich wie ihr mit dem Thema umgehen! Das gibt mir Mut, meinem muskelkranken Sohn Offenheit beizubringen und das Gefühl von nichts ist unmöglich!

  15. Was lernen wir daraus? Einfach offen mit seinen Wünschen umgehen. Der Prüderie eine Absage erteilen. Sich nicht von PC-Geschwätz beirren lassen. Schon klappt’s.

    Hut ab übrigens!

  16. hey :-)
    danke für das teilen. ich hab selbst als betreuerin in wg´s gearbeitet. für die meisten von uns (leider je nach typ nicht für alle :-() ist es selbstverständlich zu helfen. natürlich gut, wenn man über das thema rechtzeitig spricht, denn wenn man überrumpelt wird, kann es zu überraschenden reaktionen kommen, die ja nicht ablehnend sind, aber in der empfindlichen situation so wirken können. wir haben auch menschen dafür zeit u raum dafürgegeben, mit denen wir nicht verbal kommunizieren konnten. ich wünsche euch alles alles gute! je besser wir bescheid wissen (zeit zb) umso lockerer wirds.

  17. Wow! Ich finds einfach nur GROSSARTIG von dir, wie offen du hier über dieses Thema schreibst! Ich bin sicher, du machst damit vielen Menschen ihn ähnlichen Situationen Mut. Es sollte mehr menschen wie dich geben! Thumbs up!!

  18. hi,

    Ich schöieße mich hier der Mehrheitmeinung an, und finde es cool, dass duber dieses Thema schreibst.

    Aber:

    Ich finde auch, dass dieses gesellschaftlich sicherlich schwierige Thema mit den Assistenten *rechtzeitig* besprochen werden sollte, und ihnen die Gelegenheit geben muss, nicht nur unter dem Druck der Situation „ja“ sondern eventuell auch „Nein“ sagen zu können.

    Solange das gegeben ist: go ahead, und viel Spass dabei….

    Stefan

  19. Danke für die Offenheit!
    Ein Lehrer von mir sprach mal davon, dass wir deutschen eigentlich viel mehr Ausgrenzung als in anderen Ländern. Hier gibt es Heime, dort Leben alle zusammen.

    Als Kommunikationsexperte, möchte ich einen Tipp geben. Dieses Thema vorher per Mail oder Stellenanzeige beschreiben. Die Menschen möchten euch vielleicht sogar helfen, sind in diesem Moment jedoch völlig unvorbereitet.

    So haben die Personen die Chance sich vorher Gedanken zu machen und die Reaktion wird sicherlich leichter.

    Heute gibt es Swingerclubs, Gruppene und 50 Shades of Grey, ich glaube für viele Menschen ist das gar kein Problem.

    1. Hm, wodu grad swinger sagst…es mag vll seltsam sein, aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass es menschen gibt die keine Hemmungen in bezug auf Menschen mit Behinderungen haben und offen sind sex(dlwas sex ist, ist individuell) auch nonmonogam und/oder in ner gruppe zu haben.

      K.a, wenn ich drüber nachdenk.. also wenn ich zwei menschen kennen würde die assistenz brauchen und beide sympathisch finde, offen kommunizieren kann und vertrauen da wäre, dass abgemachte grenzen eingehalten würden, würde ich bei sowas sicher mithelfen.(nach einer Einweisung in sachen korrektes heben/umlagern etc)
      Ich hab aber grundsätzlich sex nie ausschliesslich mit liebe verbunden und daher wenig probleme intimität/sexuelle dinge mit menschen zu machen mit denen ich nicht liiert bin.
      Ebenso hab ich keine probleme mit intimität anderer.(z.b in der pflege) ich kann mir vorstellen, dass es menschen in der swingerszene oder anderswo geben wird, die für sowas offen ist und den richtigen charakter hat.

      Sollte doch sicher mehr menschen geben die für solcherart hilfe offen wären und nicht gleich n minijob-monatsgehalt wollen.

      Inwiefern wäre prostitution eine sache? Im internet lassen sich sicher sexworkerInnen finden, die behilflich sein können und weniger kosten(wobei da auch die frage ist, wieviel geld „care-arbeit“ wert ist. Ach, kompliziertes thema..

  20. Hi.
    Durch eine parteiinterne (Piraten) Diskussion auf Deine Seite gestossen kann ich mir nicht verkneifen meinen Senf dazu abzulassen.
    Bin selbst als Assi in der SBA tätig, ebenso wie auch meine Lebensgefährtin.
    Und wir wissen beide wie schwer es für beide Seiten (Assi und „Chef/in“) ist.
    Diese Hirnkrämpfe gibt es eben auf beiden Seiten..
    Wer Hilfe benötigt traut sich nicht zu fragen, bzw. fürchtet die Reaktion; wer Hilfe geben kann hat Hemmungen weil das Hinterstübchen sich als „Zuhälter“ fühlt..
    Klingt erstmal strange, aber entspricht der Realität..
    letztlich eine Vertrauensfrage zwischen Assistenten und Chef/in…

    Übel finde ich die Abzocke für die „Hilfe“.
    Klar, die Assistenz, die im Schnitt für max 12.- brutto arbeitet fühlt sich ziemlich beschissen wenn sie leistet wofür andere 200 p.h. kassieren.
    Aber, und das ist m.E. der entscheidende Punkt:
    Wer diese Hilfe benötigt sollte es von vornherein thematisieren. Schon beim ersten Einstellungsgespräch.
    Macht die Bezahlung nicht besser, aber hilft trotzdem ungemein.
    Und, je nach Assistent/in kann auch die Hilfe im Bereich der Sexualität variieren.
    Fällt schwer, aber wenn beide Seiten von vornherein mit offenen Karten spielen hilfts ungemein.. :)

  21. Hallo Katja,

    ich gratuliere Dir zu Deinem Block und zu dem gewählten Thema. Ein ganz normales – in unseren Köpfen.
    Ich (47) selber habe keine Behinderung, aber arbeite als Arbeitsgruppenleiter in einer WfB. Da ich sehr offen mit diesem Thema “Sex und Behinderung” umgehe, werde ich auch des öfteren von Mitarbeitern angesprochen. Fast durchweg von Frauen. Es folgen dann Fragen, wie: Dürfen beh. Menschen heiraten, Kinder kriegen usw.?
    Ich setzte mich dann mit Ihnen an den PC und zeige im Internet, auch wenn sie nicht lesen können, die entsprechenden Gesetze. Das bringt mehr, als wenn ich nur sage: ja, sie dürfen.

    Meine eigene Partnerschaft sieht so aus, dass meine Freundin Tetra-Spastiker ist und sie eine leichte geistige Einschränkung hat. Wir sind seit über drei Jahren ein Paar und haben natürlich auch SEX, sehr schönen Sex. Ich habe sie so kennen gelernt und mich voll verliebt, natürlich in einer WfB. Heute arbeiten wir in getrennten Werkstätten.
    Wir haben auch die Erfahrung gemacht, dass solche Beziehungen in der Gesellschaft nicht gerade akzeptiert sind. Auch nicht bei vielen Kollegen von mir.
    Das soll es erstmal gewesen sein. Wir “lesen” uns wieder und mach weiter so!
    LG Michael

    PS: Ändere bitte die Schriftfarbe.

    1. Liebe Larissa-Mara,
      ich fürchte, du hast nicht ganz verstanden, worum es geht. Zuerst einmal möchte ich anmerken, dass ich nicht krank bin, sondern lediglich eine Behinderung habe. Deshalb ist es unangemessen die Bezeichnung „gesunde Menschen“ zu gebrauchen.
      Zweitens: bin ich kein Single, sondern in einer Beziehung. Warum sollte ich es mir dann nicht ermöglichen mein Sexualleben auszuleben, auch wenn ich dafür Hilfe benötige??
      Drittens: solange Menschen, beispielsweise mit einer stark ausgeprägten Behinderung, sich nicht selbst befriedigen können, haben sie auch das Anrecht Assistenz zu beanspruchen, weil sie es eben ohne Hilfe nicht schaffen. Ein Mensch ohne Behinderung hat diesbezüglich keinerlei Probleme, deshalb kann man das gar nicht gleichsetzen!
      Ich hoffe, dass ich dir diesen großen Unterschied verständlich machen konnte.
      Liebe Grüße,
      Katja

      1. Nun ja, niemand hört es gern, wenn die Größe eines Problems ins Verhältnis gesetzt wird und dann gar nicht mehr so groß erscheint, wie man selbst das vielleicht empfindet.

        Du bist nicht krank, schreibst aber „Mein Freund und ich haben eine Muskelerkrankung“. Wenn du eine Muskelerkrankung hast, bist du nicht gesund, sondern krank. Es wird nicht „besser“, wenn du es anders nennst.

        Ich weiß auch nicht, ob dieses Begriffshuberei „krank vs. behindert“ in der Sache weiterhilft.

        Du schreibst: „Leider können wir unser Sexleben nicht ganz nach unseren Vorstellungen und Wünschen ausleben.“

        Genau darum geht es: Viele andere Menschen können das auch nicht. Du bist damit keine Ausnahme. Du hast sogar das Glück, in einer Beziehung zu leben und Assistenz nutzen zu können, sodass du auf diese Weise ein Sexualleben hast, trotz deiner Muskelerkrankung.

        Ich sags mal ganz deutlich: Du hast zwar eine Muskelerkrankung und kannst viele Dinge nicht tun, aber du lebst in einer Beziehung und kannst dein Sexualleben mit Assistenz ausleben. Das können viele andere ohne Behinderung nicht. Denen hilft auch keine Assistenz. Selbstbefriedigung ist übrigens kein Ersatz für Sexualität in einer Partnerschaft.

        So gesehen verstehe ich deinen Punkt tatsächlich nicht. Du bist in vielen Dingen auf Hilfe angewiesen, aber du bekommst diese Hilfe und musst nicht auf Sexualität verzichten. Das ist doch eine ganz tolle Sache.

        1. „Ich sags mal ganz deutlich: Du hast zwar eine Muskelerkrankung und kannst viele Dinge nicht tun, aber du lebst in einer Beziehung und kannst dein Sexualleben mit Assistenz ausleben. Das können viele andere ohne Behinderung nicht. Denen hilft auch keine Assistenz.“

          Larissa – Mara : Sagst du dann z.B. auch zu einem Querschnittsgelähmten der im Rollstuhl sitzt: „Beschwer dich nicht, schließlich musst du nicht selber laufen?“.

          1. Du, wenn jemand querschnittsgelähmt ist und mit den entsprechenden Hilfen die Dinge tun kann, die er tun möchte, möglicherweise sogar mehr tun kann, als andere Menschen, die zwar nicht gelähmt sind, es aber anderweitig nicht gut getroffen haben, wenn dieser querschnittsgelähmte also gar nicht so recht sieht, dass ihm trotz seiner Einschränkungen Vieles möglich ist, dann würde ich ihn ebenso auf die positiven Seiten seiner Situation aufmerksam machen, statt ihn darin zu bestärken, sich in Klagen zu ergehen.

            Aber wenn du dich lieber weiter bemitleiden möchtest bzw. bemitleiden lassen möchtest, dann ist das natürlich deine Sache. Dazu brauchts keine Behinderung.

        2. Liebe Katja, vielen Dank für diesen ehrlichen Artikel. Ich mag es eigentlich nicht, auf öffentlichen Seiten Kommentare zu hinterlassen, aber ich schreibe vor allem, weil mich der Kommentar von Larissa-Mara so sehr geärgert hat.
          Das ist absolut unpassend und daneben, Larissa-Mara. Wenn du Punkte nicht verstehst, frage doch nach oder versuche es wenigstens neue Blickwinkel zu zu lassen. Aber urteile, vergleiche und verletze hier nicht wild in der Gegend herum. Das ist eher unangebracht.

        3. Ihr Punkt ist doch klar, sie findet es auch toll und will andere Menschen dazu ermutigen sich auch offen an dieses thema zu wagen. Und den Satz „Ihr Lieben da draußen, euch kann ich nur raten, steht zu euch und zu euren Wünschen und Bedürfnissen :) Es wird sich immer ein Weg finden…“
          kann auch ein „nichtbehinderter“ Single auf sich beziehen.

          Oder findest du es beängstigend, das Behinderte (TM) das Recht auf Hilfe Sex einfordern, wenn Nichtbehinderte Probleme damit haben, ihr Sexualität auszuleben, obwohl sie nciht mal von aussen behindert werden?

          Selbstbefriedung ist kein Ersatz, nein, es ist eine ganze eigene tolle Art Sex zu haben.

  22. Wow, ich finde es erstmal wirklich ermutigend wie du mit dem Thema umgehst und auch alle daran teilhaben lässt. Das erfordert eine gehörige Portion Chuzpe. Respekt! Und ich freue mich das du trotz deiner Lage solche Freuden in deinem Leben haben kannst.

    Ich wünsch dir noch viel Freude im Leben

  23. 400 Euro für zwei Stunden ist ja der Hammer. Aber Ihr wisst auch ha auch selber zu helfen 😉 Ich wünsche euch noch mehr solche Einfälle für mehr „Spaß“ ohne Hilfe.

  24. Am besten, du redest offen mit deinem Freund und deinem/deiner Assistenten/ Assistentin,
    welche Sex-Stellung du mit deinem Freund praktizieren willst und bitte: Keine Hemmungen!
    Versuche, so ehrlich zu sein wie es nur geht. Erst dann seid ihr beide zufrieden und dein Freund ist hinterher stolz, das er es richtig gemacht hat. Dann bist auch zu glücklich und nicht zuletzt die Assistenz.

    Liebe Grüße aus Düsseldorf

    Elena :)

  25. Erstmal finde ich deine Offenheit zu diesem Thema echt bemerkenswert. Jeder absolut jeder Mensch hat seine Grundbedürfnisse und dazu gehört auch unter anderem Sex. Egal wie schwer es ist egal welche Lage man hat, man wird eine Lösung finden. Ich finde es überhaupt nicht peinlich, dass Ihr dort diese Assistenten fragt, da Ihr ja auch hilfebedürftig seit, was aber nicht heißt das Ihr eure Lust auf einander verbergen sollte. Heutzutage ist in vielen Schlafzimmern bei Menschen ohne diese Bedürftigkeit tote Hose und da finde ich es klasse, dass Ihr so mit eurer Situation umgeht. Danke für diesen gelungenen Beitrag.

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